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Verblisterung

Spulen, Boxen und Patienten

Patrick Hollstein, 16. Juni 2009, 15:24 Uhr

  • Erst Spule, dann Box: Bei 7x4 werden aus Streifenblistern individuelle Arzneimittelpackungen hergestellt.Foto: Elke Hinkelbein
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Merzig -

400 Filmspulen sind in der Produktionsstraße von 7x4 Pharma im saarländischen Merzig aufgereiht. Auf der Fabriketage mit Reinraumanlage und Etikettierautomat werden aber keine Filme gezeigt, sondern individuelle Arzneimittelblister hergestellt. Mit der so genannten 7x4-Box will Firmenchef Edwin Kohl schon in wenigen Monaten mehrere hunderttausend Patienten alleine in Deutschland versorgen.

Nach den Plänen von Kohl verordnet der Arzt künftig auf der Basis der von 7x4 geschlossenen Kassenverträge den Arzneimittelbedarf für vier, acht oder zwölf Wochen. Die 7x4-Medikamentenliste - insgesamt 400 Produkte - ist im Praxisverwaltungssystem hinterlegt. Der Patient löst seine Rezepte in seiner 7x4-Hausapotheke ein, die alle blisterfähigen Medikamente über ein spezielles Software-Modul in Merzig bestellt.

Hier werden die Fertigarzneimittel zunächst ausgeeinzelt und in Streifenblister auf Spulen neu verpackt. Bulkware ist bei dem Verfahren nicht erlaubt, also kommen zugelassene Packungen zum Einsatz. Dabei könnten auch schon bald zugelassene Großpackungen Verwendung finden.

In der Produktionsstraße werden aus den Streifenblistern schließlich die 7x4-Boxen befüllt. Schief gehen soll dabei laut 7x4 nichts, Kohl spricht von einem „Null-Fehler-System“. Da das Unternehmen aber für etwaige Herstellungsmängel haftet, werden von jeder Packung zur Dokumentation zehn Fotos gemacht.

Die individuell etikettierten Boxen gelangen über den Großhandel in die Apotheke und werden dort an den Patienten abgegeben. 7x4 liefert eine tablettengenaue Aufstellung, die die Apotheke mit der Krankenkasse abrechnet. Bezahlt werden nur die tatsächlich verblisterten Tabletten auf der Grundlage des Tablettenpreises der größten N-Packung. Hinzu kommen Verblisterungsgebühr und Apothekenaufschlag.

Seit 2001 wurde am Fimenstandort in Merzig geforscht und entwickelt, im Mai 2004 erteilte das saarländische Gesundheitsministerium die Herstellungserlaubnis. Ein Jahr später wurde schließlich mit dem Bau der beiden derzeit verfügbaren Anlagen begonnen.

Heute läuft bei 7x4 eine Produktionsstraße in einer Schicht, rund 100 Mitarbeiter sind derzeit bei der Kohl-Tochter angestellt. Diese Zahl soll sich laut Kohl vervielfachen, wenn rund um die Uhr verblistert wird.

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