Der Wahn des Großkunden
Es ist das Mantra des Großkunden: Die Krankenkassen wollen ihren alten Apothekenabschlag von 2,30 Euro zurück. Mit dieser Maximalforderung geht der GKV-Spitzenverband in jede politische Debatte. Neu... Mehr
Janina Rauers, 13. Mai 2011, 15:31 Uhr
Wenn OTC-Hersteller neue Produkte auf den Markt bringen, ist höchste Geheimhaltung angesagt. Schließlich gilt es, Ideen für potenzielle Top-Seller vor neugierigen Mitbewerbern zu verbergen. Manchmal geht es aber auch nur darum, das Geschäft zu sichern und Konkurrenten den Markteintritt zu erschweren. Auch bei pflanzlichen Arzneimitteln geht es hinter den Kulissen nicht immer friedlich zu.
In Großbritannien etwa ärgert sich Bionorica derzeit über neue Konkurrenz für Sinupret: Während Deutschlands führender Phytohersteller noch zögert, sein mit Abstand wichtigstes Produkt im Königreich auf den Markt zu bringen, hat ein anderer Hersteller bereits die Registrierung in der Tasche: Die Firma Grünwalder Gesundheitsprodukte aus Bad Tölz hatte im vergangenen Sommer zusammen mit dem Beratungsunternehmen Plantaphile bei der britischen Zulassungsbehörde ein Präparat namens „Sinueeze“ zur Behandlung von Sinusitis registrieren lassen.
Laut Stefan Spieß, Chef von Grünwalder, entsprechen sich Sinueeze und Sinupret hinsichtlich der Wirkstoffkombination. Wann und ob das Arzneimittel allerdings auf den Markt gebracht wird, ist laut Spieß noch offen. Er habe darauf ohnehin keinen Einfluss: Denn den Wettbewerb mit Bionorica will Grünwalder gar nicht selbst aufnehmen. Die Firma des Apothekers und Lebensmittelchemikers ist als Diensleister für die Entwicklung und Zulassung von neuen Präparaten aktiv.
Im Falle Sinueeze arbeitet Grünwalder nach Angaben von Spieß für zwei deutsche Pharmaunternehmen. Wer seine Auftraggeber sind, will der Firmenchef aber nicht verraten. Bislang war Grünwalder immer wieder für Hexal tätig; Spieß hatte früher als Zulassungsleiter beim Generikakonzern die Einführung von mehr als 300 Produkten begleitet.
Fest steht: „Sinueeze“ wird das Präparat auf keinen Fall heißen. Denn um den Mitbewerber auszubremsen, grätschte Bionorica dazwischen und sicherte sich kurzerhand die Rechte an der Marke. Gemein findet Bionorica das eigene Vorgehen nicht: „Die Belegung von Namensrechten ist ein normaler Vorgang“, sagt eine Unternehmenssprecherin. Eine Registrierung von Arzneimitteln, deren Indikationen mit diesem Namen verbunden werden könnten, sei aber nicht geplant.