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Randnotiz

Radiofarn und die geplatzten Pick-up-Träume

Alexander Müller, 17. Dezember 2011, 12:59 Uhr

Berlin -

Zu Beginn der Pick-up-Debatte waren sie die abschreckenden Exempel für den „Wildwuchs“ des Arzneimittelversandes: Pick-up-Stellen in Blumenläden, Tankstellen oder Textilreinigungen. So etwas dürfe es nicht geben, forderten wohlmeinende Politiker aller Parteien und überboten sich in Beispielen, neben welchen Produkten Arzneimittel eben nicht im Regal stehen sollten. Heute sieht die Welt anders aus: Die Drogerien reklamieren ein Pick-up-Monopol, und die Pilot-Sündenböcke von damals sind längst geschlachtet. Ein Rückblick.

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Im Mai 2009, wenige Tage vor der Entscheidung des EuGH zum Fremdbesitzverbot, startet Apotheker Hermann Rohlfs aus dem niedersächsischen Uslar ein groß angelegtes Pick-up-Projekt: In zunächst vier Shell-Tankstellen richtet er Rezeptsammelstellen ein. Motto: „Parkplatzsuche kein Problem – Apotank“.

Rohlfs sichert sich bei Shell Exklusivrechte, will irgendwann alle 2200 Tankstellen mit Arzneimitteln beliefern. Doch als der politische Widerstand wächst, bekommt der Mineralölkonzern kalte Füße: Schon die geplante Ausweitung auf 20 Pick-up-Stellen scheitert, am 11. September ist das Konzept nach nicht ganz vier Monaten Geschichte.

Im Saarland treibt das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu Pick-up-Stellen noch ganz andere Blüten: Ebenfalls ab Mai 2009 sammelt die Blumenstube M. Brinkmann in Jägersfreude Rezepte und OTC-Bestellungen für die Luitpold-Apotheke und heutige DocMorris-Apotheke in St. Ingbert. Etwas später folgt eine zweite Pick-up-Stelle, wieder in einem Blumenladen, diesmal in dem Ort Einöd. Richtig rund läuft die Sache aber nie. Spätestens als der Blumenladen eine Bestellung über „Ibu-Radiofarn“ durchgibt, weiß Apothekerin Sonja Friedrich, dass interdisziplinären Projekten in diesem Bereich Grenzen gesetzt sind.

Auch eine andere Idee hat die Apothekerin inzwischen aufgegeben. Die Pick-up-Stelle in einer Textilreinigung lief nur deshalb etwas besser, weil sich der Betrieb im Ladenlokal einer ehemaligen Apotheke befindet. Sogar die hinterlassene Einrichtung der einstigen Alsbach-Apotheke schafft eine vertraute Umgebung für ehemalige Stammkunden. Doch die Entfernung von 35 Kilometern zu ihrer eigenen Apotheke sei zu weit für tägliche Fahrten gewesen, sagt Friedrich heute. Sie hat das Projekt an einen Kollegen abgetreten: Seit März beliefert die Wendalinus-Apotheke aus dem näher gelegenen St. Wendel die Pick-up-Stelle. Doch auch damit ist bald Schluss – die Textilreinigung schließt zum Jahresende.

Die Liste ließe sich fortführen: Pick-up in umgebauten Ikea-Kommoden, Pick-up im Edeka, Pick-up mit der mittlerweile insolventen CoBox. Zu den kuriosen Folgen der Pick-up-Debatte zählen letztlich aber auch Konzepte wie „Vorteil24“, jenem Unternehmen der Apothekenkooperation Linda, bei dem sich einige hundert Mitglieder selbst zu Pick-up-Stellen machen. DocMorris hat die Idee inzwischen vereinzelt kopiert – allerdings ohne den Mehrwertsteuertrick.

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