Der Wahn des Großkunden
Es ist das Mantra des Großkunden: Die Krankenkassen wollen ihren alten Apothekenabschlag von 2,30 Euro zurück. Mit dieser Maximalforderung geht der GKV-Spitzenverband in jede politische Debatte. Neu... Mehr
Patrick Hollstein, 16. Juni 2011, 19:15 Uhr
Wer in diesen Tagen die Konzernspitze von Phoenix treffen will, muss nicht nach Mannheim, sondern nach Schweden fahren. Seit Mittwoch tagen die Führungskräfte in Stockholm, neben der Geschäftsführung sind bis Freitag leitende Angestellte aus allen 23 Ländern vor Ort. Unter den 90 Teilnehmern sind auch der Vorsitzende des Beirats, Dr. Bernd Scheifele, und Ludwig Merckle als Vertreter der Eigentümerfamilie. Nach der Krise werden die Manager auf eine neue Einigkeit eingeschworen.
In der Vergangenheit konnten die Landesgesellschaften weitgehend autark agieren. Der im Januar 2009 verstorbene Firmenpatriarch Adolf Merckle hatte, unter der Leitung von Scheifele als Konzernchef, die einzelnen Unternehmen über die Jahre zusammengekauft und den Managern viele Freiheiten gelassen. Selbst die Marke Phoenix wurde nicht allen Großhändlern übergestülpt, eine europaweite Apothekenmarke wäre vermutlich undenkbar gewesen.
Innerhalb des Konzerns wurde diese Autonomie regelrecht gepflegt - mitunter auch gegen allgemein übliche Führungsgrundsätze: Aufsichtsratschef des skandinavischen Teilkonzerns Tamro etwa war bis vor kurzem nicht Phoenix-Chef Reimund Pohl, sondern dessen Vorgänger Scheifele. Der sitzt aber seit seiner Abberufung zu HeidelbergCement im Kontrollgremium des Mutterkonzerns und musste damit genau genommen die eigene Kontrollarbeit kontrollieren.
Möglicherweise spielten bei dieser Konstruktion auch persönliche Gründe eine Rolle: Die geschickt eingefädelte Übernahme von Tamro ab dem Jahr 2000 gilt als eines der Meisterstücke von Scheifele - ein Prozess gegen die Merckle-Familie wegen mutmaßlicher börsenrechtlicher Verstöße wurde 2009 wegen Verjährung eingestellt.
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