Zytoausschreibung

Von Oncosachs zu Zytoservice Patrick Hollstein, 13.09.2011 12:38 Uhr

Berlin - Die AOK Berlin feiert ihre neue Zytoausschreibung. Schon die erste Runde habe gezeigt, dass „hinreichender Spielraum bei den Preisen“ bestehe. Durch die Loslimitierung habe man außerdem der Gefahr einer Oligopol-Bildung erfolgreich entgegen gewirkt: Die immer wieder behauptete Tendenz zur Oligopolisierung des Marktes sei auch in der zweiten Runde „nicht sichtbar“ geworden. Vielleicht hätte die AOK nur genauer hinsehen müssen: Auch in der neuen Rabattrunde laufen die Fäden bei den Gewinnern zusammen.

Nachdem bei der ersten Zytoausschreibung über verschiedene Apotheken der Leipziger Herstellbetrieb Oncosachs groß ins Geschäft gekommen war, hat diesmal die Zytoservice-Gruppe abgeräumt. Im Vorfeld hatten zwei Berliner Apotheker, die jetzt gewonnen haben, die entsprechenden Strukturen geschaffen.

Die Berlin-Apotheke an der Charité von Apotheker Manfred Schneider hat drei Zuschläge bekommen, vier weitere die Berlin-Apotheke am Roten Rathaus. Die gehört zwar nicht Schneider selbst (er hat schon vier Apotheken und hätte ja auch nicht mehr als vier Lose holen können), tritt aber als „Partnerapotheke“ im selben Markenauftritt auf. Die dritte Apotheke, die Apotheke 26 am Kaiserdamm, wird von Apothekerin Claudia Neuhaus betrieben und hat ebenfalls die Höchstzahl von vier Zuschlägen geholt.

Beliefert werden die drei Apotheken von den Herstellbetrieben ZytoService Deutschland und ZytoService Berlin. Letzterer war ursprünglich von Schneider gegründet worden; Anfang des Jahres stieg Neuhaus als Teilhaberin ein.

Nun spricht die Zusammenarbeit der beiden Apotheker in erster Linie für unternehmerische Cleverness. Auch die Kooperation mit dem namensgleichen Marktführer aus Hamburg kann als Beleg dafür gelten, wie ernst es die Pharmazeuten meinen.

Dafür muss sich die AOK erneut den Vorwurf gefallen lassen, sich in die Abhängigkeit einzelner Anbieter zu begeben und der Oligopolisierung eben doch Vorschub zu leisten. Für elf der 14 Lose werden die Sterilrezepturen nun an den Werkbänken von Zytoservice hergestellt. Vielleicht schätzt man bei der Kasse die Versorgung aus einer Hand einfach zu sehr. Für Kritiker hat die Kasse noch ein Argument gegen die vermeintliche Oligopolisierung auf Lager: „Die Vielzahl der eingegangenen Angebote von kleineren und größeren Apotheken mit und ohne Beteiligung von Herstellungsbetrieben zeigt ein sehr dynamisches Marktgeschehen.“

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