CoBox

Videoapotheke überzeugt Patentamt nicht Alexander Müller, 20.04.2011 12:35 Uhr

Berlin - Fast hätte die Videoapotheke „CoBox“ den deutschen Innovationspreis 2011 gewonnen. Der Finaleinzug in der Kategorie „Startup-Unternehmen“ wurde von den Machern gefeiert. Doch ist die CoBox wirklich eine Innovation? Das Europäische Patentamt mit Sitz in München ist da anderer Auffassung: Die Videokabine sei keine erfinderische Leistung, so die vorläufige Meinung der Prüfungsabteilung. APOTHEKE ADHOC liegt ein Schriftwechsel vor, in dem die Zweifel der Behörde an einem Patentschutz für die CoBox deutlich werden.

Die einzelnen Komponenten seien „hinlänglich bekannt“, heißt es in der Stellungnahme. So würden Videokonferenz, Scanner, Drucker und Kartenlesegerät ausschließlich für den jeweils vorbestimmten Zweck eingesetzt. Das „Sammelsurium von Merkmalen“ könne zu keinem „kombinatorischen Effekt führen, mit welchem eine erfinderische Tätigkeit begründbar wäre“, so die Prüfstelle. Schon die „magere Offenbarung“ der technischen Merkmale im Antrag lasse den Schluss zu, dass diese allesamt vorbekannt seien.

Dass alle Geräte nur von der Gegenstelle aus bedient werden können, ließ das Patentamt ebenfalls nicht als Argument gelten. Die räumliche Entfernung zwischen EC-Lesegerät und Kassierer spiele keine Rolle. Auch seien alle Merkmale einer Videokonferenz bekannt, „und zwar genau für eben diesen Zweck“. Von einem überraschenden technischen Effekt der Videokabine - von den Prüfern mit einer Telefonzelle verglichen - dürfe daher nicht ausgegangen werden.

APOTHEKE ADHOC Debatte

Ältere Kommentare lesen 6 Kommentare
  • 22.April 2011, 21:26Uhr
    Community Mitglied

    #6Wieso keine Beratung übers Video-Handy ...............

    ....... oder direkt über den Fernseher/ Internet-Multigerät zu hause. Am besten direkt aus dem chinesischen Call-Center, hauptsache innovativ und neu.

  • 21.April 2011, 10:29Uhr
    Community Mitglied

    #5Nur ein Vorwand ...

    Die Einführung von Videokabinen zur "Sicherstellung pharmazeutischer Versorgung in strukturschwachen Gebieten" ist doch nur ein Vorwand, um dieses Element später einmal flächendeckend zur extrem preiswerten "Filialisierung" einsetzen zu können. Orte, an denen viele Menschen zusammenkommen, wären doch ideale Standorte für solche Beratungs-/Rezeptsammel-Boxen (Einkaufszentren, Möbelhäuser, Baumärkte, ...). Es ist lediglich ein weiterer Versuch an den großen "Kuchen" der Präsenzapotheken heranzukommen, nachdem alle anderen Vorstöße bisher wenig erfolgreich waren (Kettenbildung, Pickup, usw.).

  • 20.April 2011, 17:44Uhr
    Community Mitglied

    #4Man will Innovation für Apotheker?

    Wie wäre es mit einem Gesetz was in Notfällen einen Patienten der Rezeptflichtige Medikamente bekommt (nach einem Interview mit dem Apotheker) die möglichkeit hat diese in einer Mindestmenge bis zum nächsten Arzt-termin versorgt werden kann, ohne Rezept? Siehe hierzu diverse andere Länder. Wie wäre es mit der Abgabe der Antibabypille nach Blutdruckmessung beim Apotheker ohne Rezept? Wie wäre es die Pille-danach nach vollendeten Interview mit einem Apotheker Vor-Ort ohne Rezept zu erhalten? In welchen "innovativen" Markt sollte man vordringen liebe Kollegen? Hilft dem Patienten ein Schließfach mit Kamera? Wohl kaum.

  • 20.April 2011, 16:09Uhr
    Community Mitglied

    #3Versorgung ist leider nicht die Aufgabe des Patentamtes...

    Meinem Vor-Schreiber muss ich in sofern widersprechen, als dass das Patentamt laut des Artikel und meinem Textverständnis nach nicht ausspricht, dass die Videoapotheke die Arzneimittel-Versorgung nicht sichern kann. Diese ist selbstverständlich auch nicht Aufgabe des PATENTamtes. Die Frage ist doch eine andere: Was ist besser: Eine Apotheke, die schließen muss (weil sie sich in den heutigen Zeiten nunmal nicht mehr rentiert hat) oder eine offene Videoapotheke? Oder soll die "Versorgung" dort dann Versandapotheke und Pick-up überlassen werden??? Meiner Meinung nach kann die Videoapotheke keine Versorgung auf dem Niveau einer Apotheke liefern - wohl aber Beratung für den Kunden, Diskretion und schnelle Lieferung, da die Apotheke, die liefert in der Umgebung ist. Unternehmerischer Erfindergeist wird in Deutschland nicht genug gewürdigt. Wir leben leider in einer Gesellschaft, die Beamtentum und die Mentalität "so wars schon immer" höher schätzt.... DAS ist SCHADE

  • 20.April 2011, 15:31Uhr
    Community Mitglied

    #2Keine Innovation

    Das Patentamt spricht doch nur aus, was viele schon längst wissen: Eine Videokabine sichert keine Versorgung, sondern ermöglicht den konsequenten und nachhaltigen Verzicht uf eben diese. Versorgungssicherheit muss ein einheitliches HOHES Niveau haben - und unterliegt eben nicht der Beliebigkeit derer, die ein Geschäftsmodell als Innovation verkaufen wollen. Mit der Einführung einer Videokabine ließe sich (oder eben nicht!!!!) die AM-Versorgung in weiten Teilen ohne Apotheken vor Ort realisieren - allerdings auf einem bescheidenen Niveau. Das ist keine Versorgung. Das ist Nepp. Und: DAS wäre traurig. Der Rest wie in (!) ist pures Selbstmitleid.

  • 20.April 2011, 15:17Uhr
    Community Mitglied

    #1traurig traurig ...

    Erfinder habene im Land der Dichter und Denker nicht leicht! Da entwickelt einer über Jahre mit hohem persönlichen und auch finanziellen Einsatz eine Idee, wie z.B. die pharmazeutische Versorgung in strukturschwachen Gebieten sicher gestellt werden kann, ohne sich der Virtualität einer Internetapotheke hingeben zu müssen, aber keiner dankt es. Irgendwann entdeckt dann ein milliardenschwerer Großkonzern die nicht schützenswerte Idee und setzt sie einfach und billig in China um. Der, der den Weg bereitet, der sich durch alle Instanzen gekämpft hat, der sich beim Gesetzgeber um die Zulassung bemüht hat, schaut dann in die Röhre. Traurig, was das Patentamt mit seinen Entscheidungen anrichtet! Gut, dass es innovationsfreudige Apotheker und Unternehmen (z.B. die DEKA Bank) gibt, die die Einzigartigkeit der CoBox bereits für sich erkannt haben.

Neuere Artikel zum Thema