Psychografisches Profiling

Was Facebook-Likes über Apothekenkunden verraten Patrick Hollstein, 22.02.2017 07:57 Uhr

Berlin - Wer bei Google nach einem Rasenmäher sucht, bekommt fortan auf allen möglichen Internetseiten mehr oder weniger passende Angebote angezeigt – auch noch drei Wochen nach dem Kauf und zehn Jahre vor dem nächsten. In Zukunft soll bei der personalisierten Werbung aber nicht der Blick zurück entscheidend sein: Psychologen wie Sandra Matz wollen Verhaltensmuster identifizieren, um mit der richtigen Ansprache des richtigen Adressaten zum richtigen Zeitpunkt ein Interesse zu wecken, das bei ihm zuvor noch gar nicht vorhanden war. Matz ist Referentin bei der Digitalkonferenz VISION.A am 22. März in Berlin.

Die personalisierte Werbung steckt noch in den Kinderschuhen. Derzeit wird vor allem auf Erfahrungswerte zurückgegriffen: Wer sich mit einem bestimmten Thema beschäftigt, könnte für ein konkretes Produkt empfänglich sein. Das senkt die Streuverluste und damit die Kosten – hat aber den Nachteil, dass immer mehr oder weniger derselbe Nutzerkreis angesprochen wird.

„Wenn ich es schaffe, etwas über die übergeordnete Motivation meiner Zielgruppe herauszufinden, kann ich mich viel breiter aufstellen“, sagt Matz. „Dann kann ich Menschen erreichen, die bislang kein Interesse für ein Thema gezeigt haben, das aber eigentlich ihrem Bedürfnis entspricht.“

Matz forscht in Cambridge daran, wie man durch psychografisches Profiling das digitale Marketing revolutionieren kann. Sie gilt als eine der weltweit führenden Experten zum Thema. Der Ansatz, anhand vergangener Einkäufe potenzielle Interessen zu identifizieren, sei derzeit zwar der effektivste Ansatz. Aber: „Erst wenn wir die Psychologie ins Spiel bringen, wird es wirklich spannend. Dann kann ich nicht nur neue Interessenten gewinnen, die mich vorher nicht kannten, sondern auch meine Ansprache auf die verschiedenen Zielgruppen ausrichten.“

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