Arzneimittelfälschungen

RFID statt 2D-Code Janina Rauers, 27.07.2010 13:21 Uhr

Berlin - Großhandelswanne komplett in den Scanner schieben und Artikel, Charge und Verfalldatum in einem Durchgang auslesen - RFID (Radio Frequency Identification) könnte die Arbeit in der Apotheke erheblich erleichtern. Die gelieferten Medikamentenpackungen müssten nicht mehr einzeln eingescannt, sondern könnten gleich kistenweise per Funk erfasst werden. Technik und Software werden von Industrie und Wissenschaft weiterentwickelt und in Apotheken getestet. Doch das Verfahren stößt auch auf Kritik - vor allem wegen der Kosten.

In erster Linie sollen mit RFID gekennzeichnete Arzneimittel besser vor Fälschungen geschützt werden, indem ihr Weg von der Herstellung bis zur Abgabe transparent gemacht wird. Zwar fürchten Kritiker, dass die Daten missbraucht werden könnten. Doch vereinzelt werden bereits heute Arzneimittel mit RFID gekennzeichnet: So setzt beispielsweise der indische Hersteller Sun Pharmaceuticals die Technik in Deutschland bei seinem Zytostatikum mit dem Wirkstoff Gemcitabin ein. Künftig will der Hersteller alle neuen Zulassungen mit RFID sichern.

Sun Pharmaceuticals arbeitet mit dem Spezialgroßhändler Max Pharma und dem IT-Spezialisten XQS-Service zusammen. „Das Aufbringen der RFID-Transponder ist für uns längst Routine“, sagte Michael Kretzer, Geschäftsführer von Max Pharma und XQS-Service gegenüber APOTHEKE ADHOC. Die Datenerfassung und -verarbeitung dagegen werde zur Zeit in einem Pilotprojekt getestet, an dem auch mehrere Apotheken teilnehmen.

RFID-Transponder bestehen aus einem kleinen Chip und einer Mini-Antenne. Dieser Chip kann sowohl ausgelesen als auch beschrieben werden. Großhandel und Apotheken können so Informationen auf den Arzneimittelpackungen ergänzen. RFID bietet laut Kretzer einen höheren Kopierschutz als 2D-Codes, deren optische Informationen lediglich ausgelesen werden können. „Ein Strich mit dem Kugelschreiber reicht, um den 2D-Code unlesbar zu machen“, sagte Kretzer.

RFID-Daten können auf verschiedenen Funkfrequenzen übertragen werden. XQS-Service hat sich für eine Frequenz entschieden, die Flüssigkeiten durchdringen kann und zudem die Auslesung mehrerer Transponder gleichzeitig erlaubt.

In vielen Branchen ist RFID längst etabliert: Die Transponder werden unter anderem in der Bekleidungsindustrie sowie in vielen Büchereien und Bibliotheken genutzt. Außerdem finden sie sich in deutschen Reisepässen. Arzneimittelhersteller dagegen schrecken vor den Kosten zurück.

Forscher und Ingenieure aus Hannover haben deshalb in einem Projekt die RFID-Antennen während der Packungsherstellung auf die Faltschachteln gedruckt und die Chips hinzugefügt. Bislang wurden die Transponder nachträglich auf die Packungen aufgeklebt. Das Druckverfahren verringere die Kosten von Folie und Antenne um 42 Prozent, sagte Björn Eilert, Projektingenieur des gemeinnützigen Instituts für Integrierte Produktion Hannover (IPH).

Trotzdem werden pro Packung immer noch etwa 4,5 Cent für den RFID-Transponder fällig. Hinzu kommen 7,4 Cent für die Infrastruktur. Die Investitionen für Datenbanken und Scanner fielen allerdings auch beim 2D-Code an, so Eilert. Wie Kretzer glaubt auch er an die Zukunft des RFID: Die Technik werde sich zwar nicht schlagartig in den nächsten zwei Jahren, aber nach und nach durchsetzen. Besonders für hochpreisige Medikamente und für Betäubungsmittel biete sie sich an.

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