Prinzip Pessina Patrick Hollstein, 23.06.2012 08:01 Uhr
-
Allianz und Übernahme: Stefano Pessina will den ersten globalen Apothekenkonzern schaffen. Foto: Elke Hinkelbein
-
Nachdem Pessina 1974 in Neapel in den Großhandelsbetrieb seines Vaters eingestiegen war, gründet er 1977 die Alleanza Farmaceutica mit zunächst zehn Niederlassungen. Foto: Boots
-
1982, Pessina ist noch ein regionaler Anbieter, gründet die Apothekerin Ornella Barra in Genua den Großhändler Di Pharma. Foto: Boots
-
Pessina führt zu dieser Zeit viele Gespräche. Nach der Fusion mit Di Pharma 1986 wird Alleanza restrukturiert. Jeden Monat eröffnet eine neue Niederlassung. Foto: Boots
-
Ab 1988 kooperiert Alleanza mit verschiedenen Großhändlern in Frankreich. Aus dem Verbund ERPI wird 1991 Alliance Santé. 1997 folgt die Fusion mit dem britischen Großhändler UniChem. Foto: Boots
-
1999 wird der Konzern mit knapp 25 Prozent Anteilseigner der schweizerischen Galenica. Der Großhändler braucht Geld, weil er eine Apothekenkette aufbauen will. Foto: Galenica
-
Im Sommer 2005 lädt Pessina die Chefs der Drogeriekette Boots auf seine Yacht vor Sardinien. Ein Jahr später steht der Deal: Pessina, Barra und Boots-Chef Richard Baker fusionieren die Unternehmen (v.l.n.r.). Foto: Boots
-
2007 nehmen Pessina und KKR den Konzern für mehr als 12 Milliarden Pfund von der Börse. Foto: Boots
-
Mission completed: Die Boots-Vorstände Richard Baker und Sir Nigel Rudd sind wenige Wochen nach dem Deal weg (v.l.n.r.). Foto: Boots
-
Weil die neuen Eigentümer ihren Einsatz schnell verdoppeln wollen, wird durchstrukturiert. Viele Firmenschilder werden ausgetauscht in diesen Tagen. Foto: Boots
-
Auf Befindlichkeiten wird wenig Rücksicht genommen: UniChem wird Alliance. Foto: Boots
-
Die ehemaligen UniChem-Apotheken, erst vor wenigen Jahren von Moss in Alliance umbenannt, flaggen nun um auf Boots. Foto: Elke Hinkelbein
-
Die Lohnherstellung von Kosmetika sowie die eigenen Marken werden in rasantem Tempo zu einem eigenen Standbein ausgebaut. Foto: Boots
-
Der Firmensitz wird 2008 formal in die Schweiz verlegt. Ein Türschild gibt es am Verwaltungssitz im Steuerparadies Zug nicht. Foto: APOTHEKE ADHOC
-
Stefano und sein Team: Bei Boots reden neben Pessina und Barra noch George Fairweather (Finanzen), Alex Gourlay (Produktion) und Marco Pagni (Recht) mit (v.l.n.r.). Foto: Boots
-
Barra ist die unangefochtene Herrin über das gesamte Handelsgeschäft des Konzerns. Foto: Boots
-
Nach fünf Jahren ist es soweit: Die US-Apothekenkette Walgreens steigt bei Alliance Boots ein. Foto: Boots
-
Aus dem besten Apothekenkonzern der Welt soll ein globaler Branchenprimus werden. Foto: APOTHEKE ADHOC
-
Pessina, heute 71, könnte bei Boots/Walgreens noch persönlich seine Vision umsetzen. Foto: Boots
Berlin - Wenige Konzerne verraten in ihrem Namen soviel über sich wie Alliance Boots. Einerseits steht die Doppelmarke für das duale Geschäftsmodell: Alliance für Großhandel, Boots für Apothekenkette. Andererseits spiegelt der Name die Geschichte wieder – und die Strategie, mit der der Konzern das wurde, was er heute ist. Vermutlich hatte Firmenchef Stefano Pessina schon in den 1970er Jahren eine klare Vorstellung davon, wie man zum „König der Arzneimittel“ wird: Allianzen sollten in den nächsten drei Jahrzehnten zum Schlüssel für den Erfolg des Italieners werden. Nur auf dem Papier gab er dabei immer mehr Kontrolle ab – die Macht behielt er. Auch beim ersten globalen Apothekenkonzern könnte Pessina die Schlüsselfigur werden.
Erst umarmen, dann einverleiben – nach diesem Motto brachte es Pessina vom lokalen Großhändler zum europäischen Marktführer. Vier Jahre lang hatte er in der Großhandlung seines Vaters in Neapel gearbeitet, als er mit Wettbewerbern 1977 die „Alleanza Farmaceutica“ gründete. Allianz wurde zum Synonym für Übernahme: Als Pessina das durch Zukäufe gewachsene Unternehmen 1991 mit französischen Großhändlern zu „Alliance Santé“ fusionierte, gehörte er bereits zu den Marktführern.
1998 folgte die Fusion mit der britischen UniChem, die eigene Apotheken in das Gemeinschaftsunternehmen mitbrachte. An „Alliance UniChem“ hielt Pessina 30 Prozent der Anteile.
Der Zusammenschluss mit der Drogeriekette Boots, von langer Hand vorbereitet und angeblich auf einer Luxusyacht vor Sardinien besiegelt, verwässerte Pessinas Anteil im Juni 2006 auf 15 Prozent. Trotzdem hieß der Konzern jetzt nicht etwa „Boots UniChem“, sondern trug als „Alliance Boots“ die Handschrift des Patriarchen. Die britische Traditionsmarke wurde 2009 genauso weggefegt wie jetzt die Anzag. Pessina ist Alliance.
Während man in England noch die Megafusion feierte, schlug der „Silberfuchs“ schon wieder zu. Im April 2007 nahm Pessina den Konzern von der Börse. Er wolle seine Vision schneller voranbringen – und nicht im Quartalstakt Rechenschaft ablegen. Pessina und der US-Finanzinvestor KKR investierten jeweils rund 1,3 Milliarden Pfund und teilten sich die Anteile. Als stille Gesellschafter kam eine Gruppe von Investoren an Bord, darunter die Hexal-Brüder Thomas und Andreas Strüngmann. Der größte Teil des rund 12 Milliarden Pfund schweren Deals wurde fremdfinanziert; die Schulden für die Übernahme wurden dem Konzern übergestülpt.
Lesen Sie auch
-
Pharmahandelskonzerne
Boots/Walgreens: 11.000 eigene Apotheken»
-
Pharmahandelskonzerne
Walgreens steigt bei Boots ein»
- Interview Stefano Pessina „Ich bin kein Fan von Apothekenketten“»
-
Pharmahandelskonzerne
Boots macht sich hübsch»
-
Großhandel
Anzag wird Alliance»
Neuere Artikel zum Thema
Pharmagroßhandel
Alliance Boots schluckt Anzag»
Pharmagrosshandel
Auslaufmodell Anzag»
Alliance Boots
Ehrendoktor für Pessina»
- Alliance Boots Der Kettenfan von Monaco»
Lieferdienste
Dedendo: Das Zalando-Prinzip»
Pharmahandelskonzerne
Boots will Markt in China umkrempeln»
Vivesco-Lieferdienste
ProSieben wirbt für Dedendo»
Großhandel
Anzag: Schrecklich nette Familie»
GALERIE
Prinzip Pessina»
Großhandel
Anzag will als Alliance wachsen»
Mehr aus Ressort
- Betrugsvorwürfe Ermittlungen gegen Ratiopharm eingestellt»
- Versandhandel Apotheker: Pick-up mit Bauchweh»
- Pharmakonzerne FDA: Qualitätsmängel bei Boehringer»
APOTHEKE ADHOC Debatte