Gutachten zum Rx-Versandverbot

Noweda: Breitseite gegen Schulz-Asche APOTHEKE ADHOC, 11.08.2017 15:01 Uhr

Berlin - Der Großhändler Noweda hatte gemeinsam mit dem Deutschen Apotheker Verlag ein Gutachten über die Einkommenslage der Apotheken anfertigen lassen, um damit die Existenzgefährdung der Vor-Ort-Apotheken durch den Rx-Versandhandel zu belegen. Anders als von den Initiatoren beabsichtigt, hatte aber Grünen-Politikerin Kordula Schulz-Asche die Ergebnisse als Beleg interpretiert, dass die flächendeckende Versorgung keineswegs in Gefahr, sondern die ungleiche Umsatzverteilung der Apotheken Kern des Problems sei. Das ließ Noweda-Chef Dr. Michael Kuck nicht ruhen. Aus seinem Urlaub schrieb er Schulz-Asche einen geharnischten Brief und schickte eine Sonder-Infomail an alle Noweda-Kunden.

Die Zahlen des Gutachtens widerlegten für Schulz-Asche die Alarm-These der ABDA von der Existenzgefährung durch Internetapotheken: „Es existiert ein massives Verteilungsproblem der Einkommen zwischen guten und schlechten Lagen sowie großen und kleinen Apotheken! Die Diskussion um den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Medikamenten erscheint vor diesem Hintergrund als nicht mehr als ein Ablenkungsmanöver der Großverdiener“, postete Schulz-Asche auf ihrer Internetseite.

Das heutige starre Preissystem sorge dafür, dass Apotheken, deren Umsatz größtenteils von durch die Versichertengemeinschaft bezahlten verschreibungspflichtigen Arzneimitteln abhänge, umso größer sei, je mehr Arzneimittelpackungen über den Tresen wanderten. „Während die kleinsten Apotheken auf diese Weise gerade so erhalten werden können, dringen die größten Apotheken in beachtliche Einkommenssphären vor. Und: Gute Beratung zahlt sich derzeit überhaupt nicht aus. Das muss sich ändern“, so die Grünen-Politikerin.

Mit einer rhetorischen Breitseite wendet sich jetzt Noweda-Chef Kuck an Schulz-Asche und die Noweda-Kunden: Anders als von der grünen Politikerin behauptet, weise das Gutachten „präzise und mit stichhaltigen Begründungen“ nach, dass der Versandhandel mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung in Deutschland – insbesondere in ländlichen Gegenden – ganz erheblich gefährde.

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