Großhandel

Hochpreiser: Fluch oder Segen Alexander Müller, 18.12.2015 13:00 Uhr

Berlin - Früher waren sie fast schon Premium-Kunden in der Apotheke: Patienten mit extrem teuren Arzneimitteln. Zwar war das prozentuale Apothekenhonorar auch vor 2004 preisdegressiv, doch seit der Einführung des Fixzuschlags sind Hochpreiser weniger attraktiv. Die Rohertragsmarge ist deutlich geringer, das Retaxrisiko dafür beträchtlich. Der steigende Anteil der Hochpreiser fällt vor allem bei den Großhändlern ins Gewicht, weil deren Honorar gedeckelt ist.

Die Großhandelsvergütung wurde im Jahr 2012 umgestellt – von einer prozentualen Vergütung auf ein System analog zum Apothekenhonorar. Seitdem erhalten die Großhändler 3,15 Prozent Zuschlag auf den Herstellerabgabepreis (APU) zuzüglich 70 Cent als Logistikpauschale. Das Honorar ist bei 37,80 Euro gedeckelt, das entspricht dem Zuschlag bei einem APU von 1238,49 Euro.

Nach Zahlen des Großhandelsverband Phagro hat sich der Anteil der Arzneimittel über dieser Schwelle in den vergangenen Jahren massiv erhöht. Seit 2010 hat sich der Umsatz mit Arzneimitteln ab 1200 Euro bis Ende 2014 mehr als verdoppelt, während das Preissegment darunter stagnierte. Beim Absatz ist das Verhältnis ähnlich, wenn auch etwas weniger dramatisch: Die Zahl der abgegeben Packungen im Hochpreissegment ist um knapp 65 Prozent gewachsen.

Im laufenden Jahr hat sich dieser Trend fortgesetzt und verschärft, da es einige extrem hochpreisige Arzneimittel gibt. Der Umsatz mit Medikamenten mit einem APU über 4000 Euro ist laut den Phagro-Zahlen um 45 Prozent gestiegen, der Absatz um 22 Prozent. Der Bereich zwischen 1200 und 4000 Euro hat zusätzlich um 6 Prozent zugelegt.

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