Kommentar

Du bist Deutschland Stada Alexander Müller, 16.04.2010 19:13 Uhr

Berlin - Nach der Ratiopharm-Übernahme durch Teva wurde der Konkurrent Stada in den Medien als letzter großer deutscher Generikahersteller heroisiert. Diese Lesart hat man sich in Bad Vilbel gerne gefallen lassen und zuletzt zu eigen gemacht: In einer ganzseitigen Anzeige stellt sich Stada an die Spitze einer Liste der „Generikafirmen im deutschen Pharmamarkt“. Soweit geschenkt, ist ja Werbung, kein IMS-Ranking. Aber dann spielt Stada die nationale Karte.

Neben jedem Konkurrenten ist der dazugehörige Mutterkonzern aufgeführt sowie dessen Stammsitz, symbolisiert durch die jeweilige Landesflagge. Stadas Bilanz: dreimal Schweiz, zweimal Israel, Frankreich, Indien, Island, Slowenien und die USA. Als ob das nicht schon beknackt genug wäre, holt Schwarz-Rot-Gold-Stada auch noch die Langfassung des Firmennamens aus der Mottenkiste. Am Bildrand prangt das Motto der Gründungsväter aus 1895: „STANDARDARZNEIMITTEL DEUTSCHER APOTHEKER“.

Mal abgesehen davon, dass so plumpe Deutschtümelei schon bei einem kleinen Mittelständler peinlich wäre, steht sie einem international tätigen Konzern nun wirklich nicht zu Gesicht. Erst recht nicht, wenn der nach eigenem Bekunden nicht nur in der Wirkstoffbeschaffung, sondern auch in der Produktion auf ein „weltweites, flexibles Netzwerk in- und externer Ressourcen“ zurückgreift.

Vertriebsgesellschaften unterhält der Konzern aus dem hessischen deutschen Bad Vilbel in 29 Ländern rund um den Globus und konzentriert sich zunehmend „auf preisgünstige Lieferanten aus Niedrigkostenländern, vor allem aus dem asiatischen Raum“.

Laut Jahresabschluss 2009 leisten die erweiterten „Produktionsstätten in Niedrigkostenländern“ - man könnte auch Billiglohn sagen - „ihren entsprechenden Beitrag“. Stadas Fabriken liegen etwa in Banja Luka (Bosnien-Herzegowina), Ho-Chi-Minh-Stadt (Vietnam), Nizhny Novgorod und Ryazanskaya (beide Russland) oder sogar im bayerischen Pfaffenhofen. Das soll jetzt keine Diskussion über die Produktionsverhältnisse verschiedener Standorte aufreißen; die wird ohnehin gerade an anderer Stelle geführt.

Also Stada, das Fähnchenschwenken bitte für die WM aufheben.

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