„Deutschland ist kein attraktiver Standort“ Patrick Hollstein, 24.08.2010 14:12 Uhr
-
Synergien nutzen: Dr. Claudio Albrecht will Actavis wettbewerbs- und investitionsfähig machen. Foto: Actavis
-
Berge statt Insel: Der Firmensitz von Actavis wird von Hafnarfjörður in die Schweiz verlagert. Foto: Actavis
-
Zukunft für Marken: Actavis will sich mit komplexen Produkten behaupten. Foto: APOTHEKE ADHOC
-
Gerste, Geld, Generika: Björgolfur Thor Björgolfsson ließ sich die Übernahme von Actavis durch die Deutsche Bank finanzieren. Foto: Actavis
-
Isländisches Geld in bulgarischen Apotheken: Bis vor kurzem gehörten der bulgarische Großhändler Higia und dessen Apotheken-Franchise Pharma Expert zu Actavis. Foto: APOTHEKE ADHOC
-
Weltweite Produktion: Actavis produziert unter anderem in Island, Malta und Rumänien. Das bulgarische Werk von Balkanpharma-Razgrad wurde Ende 2008 verkauft. Foto: Actavis
-
Zulassung auf Zeit: Actavis muss die Wirksamkeit von Pentalong, einem Hauptprodukt von Alpharma-Isis, nachweisen. Foto: APOTHEKE ADHOC
-
Weltweite Einkaufstour: Robert Wessman baute Actavis auf, bevor er sich eigenen Plänen widmete. Foto: Actavis
Berlin - Mit Zukäufen im Halbjahrestakt ist der isländische Generikahersteller Actavis zwischen 1999 und 2008 zu einem der Weltmarktführer aufgestiegen. Dann traf die Finanzkrise den Konzern mit voller Wucht, selbst ein Notverkauf schien möglich. Ende Juli einigten sich die Gläubiger um die Deutsche Bank auf ein Refinanzierungskonzept und ernannten den ehemaligen Ratiopharm-Chef Dr. Claudio Albrecht zum neuen Vorstandsvorsitzenden. In seinem ersten Interview seit Amtsantritt sprach Albrecht mit APOTHEKE ADHOC über die Stärken und Schwächen des Konzerns, den neuen Firmensitz in der Schweiz und die Zukunft der Generikabranche.
ADHOC: Wo steht Actavis 2010?
ALBRECHT: Es kommt ein wenig darauf an, mit wem Sie Actavis vergleichen. Im reinen Generika-Segment sind wir nach der Ratiopharm-Übernahme durch Teva die Nummer 4 auf der Welt. Wir beschäftigen derzeit 10.500 Mitarbeiter und erwarten in diesem Jahr einen Umsatz von 1,8 Milliarden Euro. In den nächsten Jahren wollen wir über Markt wachsen - jedes Jahr zwischen 8 und 10 Prozent.
ADHOC: Was war der Grund für die Krise von Actavis?
ALBRECHT: Wenn ich die Umsatz- und die Gewinnsituation von Actavis mit der anderer Generikahersteller vergleiche, so liegen wir durchaus im oberen Durchschnitt. Ich denke, es ging vor allem um die Höhe der Verschuldung. Ab einer gewissen Zinslast kann ein Unternehmen unserer Größe den Cash Flow nicht mehr erwirtschaften, um diese zu bedienen. Seit der Restrukturierung der Schulden besteht dieses Problem nicht mehr.
ADHOC: Warum ist der Verkauf von Actavis gescheitert?
ALBRECHT: Unsere Industrie ist auch davon geprägt, dass sich Gerüchte rasch verbreiten. Ich kann nicht bestätigen, dass wir aktiv einen Käufer für Actavis gesucht hätten. Es gibt natürlich immer wieder Gespräche über eine engere Zusammenarbeit mit Mitbewerbern, aber wir sind nie offiziell in einen Verkaufsprozess eingetreten.
ADHOC: Welche Ziele verfolgen Sie mit der Restrukturierung?
ALBRECHT: Wir wollen das Unternehmen ganz klar wieder finanzkräftig, investitionsfähig und damit wettbewerbsfähig für die Zukunft machen.
ADHOC: Wie involviert sind Gläubiger und Eigentümer?
ALBRECHT: Ich würde hier eher von Shareholdern als von Gläubigern sprechen. Es gibt einen Geschäftsplan über mehrere Jahre, und den muss das Management erfüllen. Der Plan ist allerdings realistisch und wurde von mir bereits in einer sehr frühen Phase begleitet. Der Eigentümer ist in das operative Geschäft nicht involviert, hat aber im Aufsichtsrat natürlich wichtige Kontrollrechte.
Lesen Sie auch
-
Porträt
Mr. Inside Generika»
-
Generikakonzerne
Deutsche Bank gibt Actavis Zeit»
-
Generikakonzerne
Actavis holt Ex-Chef von Ratiopharm»
-
Bulgarien
Ketten-Strohmann für Actavis-Großhändler?»
-
Generikakonzerne
Teva kauft Ratiopharm»
-
Nachzulassung
Actavis kämpft um Pentalong»
-
Generika
Actavis geht in die Offensive»
-
Blutdrucksenker
Hersteller erhöhen Nebivolol-Preise»
-
Generikakonzerne
Kein Käufer für Actavis»
-
Porträt
Gerste, Geld, Generika»
-
Finanzkrise
Actavis dementiert Zerschlagung»
-
Porträt
Firmenarchitekt verlässt Actavis»
- Großbritannien Actavis kauft OTC-Rechte»
- Island Actavis geht von der Börse»
Neuere Artikel zum Thema
Generikakonzerne
Actavis scheitert mit Zukauf in Polen»
Generikahersteller
Actavis will eigene Marke stärken»
Generikakonzerne
Actavis will Diabetes-Spezialist werden»
Generikakonzerne
Actavis will Insulin vertreiben»
Generikakonzerne
Actavis: Die vier Türme»
Generikakonzerne
Actavis zieht nach München»
Generikakonzerne
Actavis will Biosimilar-Hersteller kaufen»
Generikakonzerne
Deutsche Bank übernimmt Macht bei Actavis»
Generikakonzerne
Schanzensprung mit Actavis»
Porträt
Abschied von Island»
Mehr aus Ressort
- Betrugsvorwürfe Ermittlungen gegen Ratiopharm eingestellt»
- Versandhandel Apotheker: Pick-up mit Bauchweh»
- Pharmakonzerne FDA: Qualitätsmängel bei Boehringer»
APOTHEKE ADHOC Debatte