Porträt

Der Apothekenmarkt als Strategiespiel Patrick Hollstein, 16.03.2011 17:05 Uhr

Berlin - Celesio - das ist Fritz Oesterle. Bis jetzt. Zwölf Jahre lang stand der promovierte Jurist an der Spitze des Stuttgarter Pharmahändlers, der unter seiner Führung zum europäischen Branchenprimus aufstieg - und dann doch von jenen Mitbewerbern überholt wurde, die jahrelang im Windschatten gefahren waren. Oesterle und Celesio, das waren Apothekenketten, EuGH und zuletzt das Joint Venture mit Medco. Jetzt geht der Konzernchef, der manchmal mehr Stratege als Betriebswirt, mehr Lobbyist als Unternehmenslenker war.

Oesterle wird 1952 in Stuttgart geboren und studiert Rechtswissenschaften an der Universität Tübingen. 1976 legt er sein Staatsexamen ab, 1979 promoviert er, 1981 wird er als Anwalt zugelassen. Alles mit Auszeichnung. Dann arbeitet er als Partner bei der Stuttgarter Kanzlei „Gleiss Lutz Hootz Hirsch & Partner“, aus der er 1988 im Streit ausscheidet. Im selben Jahr steigt als Partner Dr. Bernd Scheifele ein. Ebenfalls Jurist, wird Scheifele später für Adolf Merckle den Pharmagroßhändler Phoenix aufbauen und als dessen Vorstandschef Oesterles Kontrahent werden.

Mit einem Partner gründet Oesterle 1989 die Kanzlei Oppenländer, die 20 Jahre später die saarländische Apothekerin Helga Neumann-Seiwert vor dem EuGH gegen die Celesio-Tochter DocMorris vertreten wird. Als Anwalt vertritt Oesterle in den 1990er Jahren neben verschiedenen Apothekern, die keine Lust auf diverse apothekenrechtliche Vorschriften haben, den Stuttgarter Pharmagroßhändler Gehe.

Der erkennt das strategische und juristische Talent des Advokaten, schickt Oesterle 1998 auf die Havard Business School und macht ihn schließlich zum Vorstandschef. Gehe hat gerade begonnen, im Ausland zuzukaufen, und Oesterle soll den Großhändler zum internationalen Konzern machen. So wird Gehe 2002 zu Celesio.

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