Pharmahandelskonzerne

Boots/Walgreens: 11.000 eigene Apotheken Patrick Hollstein, 19.06.2012 13:59 Uhr

Berlin - Ihren Zusammenschluss feiern Alliance Boots und Walgreens als Startschuss für den „ersten globalen Apotheken- und Gesundheitskonzern“. Zu hoch gegriffen ist das nicht: Gemeinsam bringen es die beiden Pharmahändler auf 11.000 Apotheken in zwölf Ländern – was rein rechnerisch der Hälfte der Apotheken in Deutschland entspricht. Dazu kommen 370 Großhandelsniederlassungen der Briten in 21 Ländern, aus denen heraus 170.000 Apotheken beliefert werden. Hierzulande ist der Konzern über die Anzag vertreten.

In den USA hat Walgreens knapp 8200 Apotheken; der Gesamtumsatz lag 2011 bei 72 Milliarden US-Dollar. Dazu kommen 3300 Apotheken und Drogerien von Boots; die Briten erwirtschafteten zuletzt umgerechnet knapp 36 Milliarden Dollar. Nach eigenem Bekunden ist Boots/Walgreens der weltgrößte Abnehmer von Rx-Medikamenten und anderen Gesundheitsprodukten.

Die Vorteile liegen für die Partner auf der Hand: Kultmarken für Ladenkonzepte (Walgreens, Duane Reade, Boots), Großhandel (Alliance Healthcare) und Produkte (No7, Botanics, Boots) sowie eine komplementäre geografische Verbreitung, gemeinsame Werte und jeweils mehr als 100 Jahre Erfahrungen mit Gesundheitsdienstleistungen als Groß- und Einzelhändler.

Entsprechend sollen Synergien gehoben werden, und zwar durch gemeinsamen Einkauf (Rx, OTC, Freiwahl), den Verkauf der Boots-Marken in den US-Geschäften und einheitlichen Konzepten für den Apothekenbetrieb. Zwischen 100 und 150 Millionen Dollar sollen bereits im ersten Jahr zusätzlich in die Kasse gespült werden, bis 2016 sollen es 1 Milliarde Dollar sein.

APOTHEKE ADHOC Debatte

Ältere Kommentare lesen 1 Kommentar
  • 19.Juni 2012, 21:00Uhr
    Community Mitglied

    #1Klare Stoßrichtung

    Bei den eigenen Apotheken sieht Pessina weniger Spielraum: „In Europa gibt es viele Länder, wo keine Apothekenketten erlaubt sind, und dort wird das Geschäft viel pharmazeutischer ausgerichtet." Zitiert aus obigem Artikel. Pharmazeutisch ausgerichtet bedeutet nichts weniger, als heilberuflich am Interesse des Kunden ausgerichtet und nicht! vordringlich am eigenen wirtschaftlichen Erfolg. Die Stoßrichtung dieses Zusammenschlusses zielt auf weniger Pharmazie. Ich hoffe sehr, dass Verbraucherschützer und Politiker angesichts solcher statements so langsam begreifen, was sie mit ihrer Liberalisierung angerichtet haben und was schon bald droht.