Beraterverträge

AWD zahlte Ärzten 50.000 Euro Honorar Alexander Müller, 08.05.2012 09:23 Uhr

Berlin - Verträge zwischen Ärzten und der Pharmaindustrie haben einen zweifelhaften Ruf. Auch wenn die Vereinbarungen harmlos klingen, wecken hohe Honorarzahlungen für nur vage umschriebene Gegenleistungen den Verdacht auf unerlaubte Einflussnahme. APOTHEKE ADHOC liegen Beraterverträge vor, die der Hersteller AWD Pharma mit Ärzten geschlossen hat. Für die Beratung der Teva-Tochter bei der Vermarktung ihres Top-Sellers Katadolon (Flupirtin) kassierten die Mediziner mehr als 50.000 Euro. AWD spricht von Einzelfällen und rechtfertigt die Beraterverträge.

Laut Vertrag berät der Arzt den Hersteller zu „Fragen der Bewerbung von Katadolon S long und anderen Schmerzprodukten“ sowie zu wissenschaftlichen Studien. Die „Berater“ sollen dem Konzern ihre besondere Sachkenntnis, Erfahrung und Marktinformationen zur Verfügung stellen.

In fast allen Vertragspunkten ist von einer „wissenschaftlichen Beratung“ die Rede, etwa bei der „Konzeption und Durchführung von klinischen Studien, nicht-interventionellen Studien (NIS) und strukturierten Datenerhebung“. Welchen Part die Ärzte bei solchen Studien oder bei der Datengewinnung genau spielen, geht aus dem Vertrag nicht hervor. Gleiches gilt für die Mitarbeit bei Fortbildungen und Firmenveranstaltungen.

Die Ärzte sollen AWD Tipps zum Auftritt und zur Außenwirkung geben, ja sogar bei der Erstellung eines Marketingkonzepts zur Schmerztherapie bei Onkologen mitarbeiten. Außerdem sollen die Ärzte zur Vermarktung von AWD-Produkten beraten, inklusive der Aufnahme neuer Produkte in das Firmenportfolio.

APOTHEKE ADHOC Debatte

Ältere Kommentare lesen 8 Kommentare
  • 12.Mai 2012, 13:28Uhr
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    #8@ Moira Mauzini: Als Hintergrund-Lektüre ................

    ................. der Roman von Wolfgang Schorlau: "Die letzte Flucht" ....................

  • 9.Mai 2012, 10:55Uhr
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    #7Bewährt für Alle?

    @#6: Bewährt hat es sich nur für Wenige: fast 300 AWDler blieben auf der Strecke...

  • 9.Mai 2012, 07:58Uhr
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    #6gute preise ...

    komisch: awd wird damals von teva gekauft und das neue management erinnert bald an die bereits aus funk und fernsehen bekannten gesichter aus ulm die rasch re-aktiviert wurden um die etablierte firma aus dresden ein wenig aufzupeppen ... aber fuer alle scheint es sich bewaehrt zu haben, denn ansonsten wuerde die dame im wehenden ledermantel (so damals der spiegel) ja nicht neuerdings die komplette verantworung bei ratiopharm uebertragen bekommen haben. also gute preise, gute reise, gute befoerderung!

  • 9.Mai 2012, 00:01Uhr
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    #5und das gibts nicht nur beim AWD

    Folgende Geschichte habe ich in den 90er Jahren wirklich erlebt: Aus unserer Apotheke hatten 2 Personen die Möglichkeit, eine Samstags-Veranstaltung zum Thema "Internetführerschein" zu besuchen, wo wir pro Person damals 50 DM sogar bezahlt haben. Diese wurde auch von Ärzten besucht und von einer Firma, die heute zu Abbott gehört, im Rahmen von etwa 16 Teilnehmern organisiert. Auf jedem Arbeitsplatz lagen Metall-Kugelschreiber und Papier für Notizen. Wir 2 waren die einzigen Apothekenvertreter. Unmittelbar vor dem Beginn der Veranstaltung kam eine Vertreterin vom Pharmahersteller zu uns und vergewisserte sich, ob sie richtig in der Vermutung läge, dass wir aus der Apotheke wären. Wir bestätigten. Was machte die Dame? SIE TAUSCHTE DIE METALLKUGELSCHREIBER, die auf jedem Platz lagen, NUR BEI UNS (!!!) GEGEN PLASTIK-KULIS!!!! Das ist wahr, das kann ich beeiden. Naja, irgendwo mußte schon immer gespart werden, und wenn es bei uns Eseln ist... Hat noch jemand Fragen???

  • 8.Mai 2012, 15:19Uhr
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    #4Im Pharmamarkt nichts Neues?

    Der Vollständigkeit halber muss gesagt werden, dass AWD.pharma seit 2009 zur TEVA gehörte und der Standort nach dem Kauf der ratiopharm zum 31.12.2011 geschlossen wurde. Das AWD-Geschäft wurde bereits im November 2010 komplett durch andere Standorte der TEVA übernommen. Auch das abgebildete Gebäude ist nicht mehr der Geschäftssitz. Witzig natürlich der linke Werbebanner... BTW: Vorher schon mal was von AWD.pharma gehört?

  • 8.Mai 2012, 11:29Uhr
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    #3"wußten wir es nicht schon immer"

    Mal angemerkt.... haben wir uns das nicht schon immer gedacht???? Nur der endgültige Beweis fehlte noch. Oder gehts uns nicht allen so das sich jetzt eine Ahnung bestätigte???

  • 8.Mai 2012, 10:26Uhr
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    #2Ich hätte auch gerne einen Beratervertrag für ...

    ... die Abgabe von Rabattvertragsartikeln. Aber bei angemessenen Stundensatz. Die alte Drittel-Regel (hat mir ein "grauer" Arzt mal so erzählt). 1.Drittel = weiße Ärzte : die wollen unabhängig sein, empfangen keine Pharmavertreter, schreiben Firmen ohne Arzt-Aussendienst auf z.B. AL, 1A usw. . 2.Drittel = graue Ärzte : die nehmen alles mit was so angeboten wird, wie Pseudofortbildungen, Anwendungsbeobachtungen usw. . 3.Drittel = schwarze Ärzte : hier läuft nichts ohne Geld, es wird gezielt danach gefragt, empfängt nur zahlende,schenkende Pharmavertreter, besucht ausschließlich kostenlose "Fortbildungen", hat Beraterverträge, hat einen "Firmenwagen" ........ . Ob das nun genau immer ein Drittel ist, wäre mal eine Umfrage wert. Das man auf das letzte Drittel komplett verzichten könnte ist eigentlich klar. Genau wie auf Pharmavertreter, Anwendungsbeobachtungen und all die andere Korruption.

  • 8.Mai 2012, 09:54Uhr
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    #1überraschung?

    es sind die auswüchse schlechter politik und perspektivlosigkeit.