Der Wahn des Großkunden
Es ist das Mantra des Großkunden: Die Krankenkassen wollen ihren alten Apothekenabschlag von 2,30 Euro zurück. Mit dieser Maximalforderung geht der GKV-Spitzenverband in jede politische Debatte. Neu... Mehr
Patrick Hollstein, 20. Juni 2011, 15:30 Uhr
Der Skandal um den Vertrieb von Verfallware aus dem Hause Sanofi-Aventis zieht immer weitere Kreise. Wie der Spiegel berichtete, hatte Sanofi jahrelang verfallbedrohte Produkte mit Rabatt über den Zwischenhändler „Multi Trade International“ (MTI) in den deutschen Markt gebracht, die angeblich als Hilfslieferung für Nord Korea gedacht gewesen war. Auch der Kölner OTC-Hersteller Klosterfrau war offenbar an den Geschäften beteiligt.
Laut der vertraglich vereinbarten Zweckbindung hätte MTI die von Sanofi gelieferten Produkte an den Verein „Viva Westfalen hilft e.V.“übergeben sollen, der die Ware angeblich als Hilfsgüter nach Nord Korea lieferte. Doch bei Sanofi kontrollierte niemand, welchen Weg die Verfallware tatsächlich nahm. Stattdessen soll der Konzern Wunschlisten des Pharmagroßhändlers Gehe direkt mit dem Einkaufschef der Hilfsorganisation, einem ehemaliger Pharmamanager mit dem Namen Wolfgang Tietze, abgestimmt und dafür eine Provision von 1 Prozent des Umsatzes gezahlt haben. MTI lieferte dann die Ware an den Großhändler.
Die Staatsanwaltschaft Verden ermittelt gegen den Pharmakonzern und den Einkaufsmanager des Vereins wegen des Verdachts auf Bestechung und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr.
Allerdings soll MTI nicht nur mit Sanofi einen entsprechenden Rahmenvertrag gehabt haben: Auch mit der Firma Klosterfrau soll eine entsprechende Vereinbarung bestanden haben. Was über das Kölner Traditionsunternehmen geliefert wurde, ist bislang nicht bekannt: „Über die genauen Lieferwege bestehen derzeit noch keine ausreichenden Kenntnisse“, sagt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.
Komplettansicht