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Drogeriekette startet Apotheken-Franchise

Alexander Müller, 26. August 2009, 10:14 Uhr

  • Franchise aus der Drogerie: Die Hamburger Drogeriekette Budnikowsky startet ein Kooperationskonzept für Apotheken.
Berlin -

Die Hamburger Drogeriemarktkette Budnikowsky unternimmt einen weiteren Vorstoß in den Arzneimittelmarkt. Nach wiederholten Angriffen auf die Apothekenexklusivität kooperiert Budni jetzt direkt mit selbstständigen Pharmazeuten: Zusammen mit dem ehemaligen DocMorris-Marketing- und Vertriebschef Jens Apermann startet die Drogeriekette ein Franchise-Konzept für Apotheken.

Als so genannte „Budni-Partner-Apotheken“ treten die Franchisenehmer im Design der Drogeriekette auf. Ansonsten beschränkt sich die Kooperation auf die Zusammenarbeit beim Versandhandel - zumindest vorerst: Über die Kataloge der Drogeriekette können die Kunden Arzneimittel bei den Apotheken bestellen und vor Ort abholen oder sich nach Hause liefern lassen. Pick up-Stellen in den Drogeriefilialen soll es dagegen vorerst nicht geben. Budni verspricht den Kunden einen Rabatt von bis zu 30 Prozent auf OTC-Arzneimittel - verbindlich ist das aber nicht.

Die Teilnahme am Bonuskartensystem der Drogeriekette ist dagegen Pflicht, Inhaber der Budni-Karte erhalten für den Einkauf Punkte gutgeschrieben. Rund 400.000 Haushalte in der Region Hamburg haben eine solche Kundenkarte. Für die Partnerschaft zahlen die Apotheken neben einer Aufnahmegebühr einen Monatsbeitrag.

Langfristig soll ein Netz aus 30 bis 40 Partnerapotheken im Norden der Republik - Budnis Stammgebiet - aufgebaut werden. Dazu hat die Drogeriekette eigens ein Joint-Venture mit Apermanns schweizerischer Beteiligungsgesellschaft Apo AG gegründet. Die Iwan Budnikowsky Marketinggesellschaft soll Geschäftsstrategien mit Apotheken und für die Drogeriemärkte von Budnikowsky entwickeln, die darauf abzielen, „Sortimente und Verkaufskompetenzen für Medikamente und andere Gesundheitsprodukte zu komplettieren und aufzuwerten“.

Erster und bislang einziger Partner ist die Kant Apotheke in Hamburg, eine Filiale der Delphin-Apotheke in Stade. Bis zum Jahresende werde Budni ausschließlich das Pilotprojekt fahren, sagte Apermann gegenüber APOTHEKE ADHOC. Die Drogeriekette selbst wollte sich nicht äußern: In den kommenden Tagen soll - nach dem NDR und „Die Welt“ - die Hamburger Presse exklusiv bedient werden.

Was zunächst als reine Marketingkooperation gedacht ist, bei der die Drogeriekette einen Fuß in die Apotheke setzt und die Apotheke von Neukunden profitiert, könnte bald zu einem umfassenden Servicepaket werden: Mit der Verbreitung des Konzepts seien neben der gemeinsamen Katalogwerbung auch ein zentraler Einkauf, ein Personalpool oder eine einheitliche Software denkbar, sagte Apermann.

Hier könnte der Drogeriekette die Erfahrung Apermanns zugute kommen: Der Unternehmer betreibt in Zusammenarbeit mit der niederländischen Apotheek Nieuweschans parallel verschiedene Versandapotheken sowie die Beratungsfirma DSA (Direct Service Apotheken).

Sollte das Fremdbesitzverbot eines Tages doch fallen, könnten laut Apermann aus den „Budni-Partner-Apotheken“ bei Bedarf auch „Budni-Apotheken“ werden - die Drogeriekette müsste in puncto Markenbildung nicht bei Null anfangen.

Ob Budni viele Apotheker davon überzeugen wird, sich den Namen einer Drogeriekette zu geben, bleibt abzuwarten. Zumal es Vorgaben bezüglich Lage, Öffnungszeiten und wirtschaftlicher Situation der Apotheke gibt. „Für einige Apotheken ist das ein Sündenfall, aber es gibt andere, die im Wettbewerb mit Schlecker und dm auf die Marketingkompetenz eines starken Partners vertrauen wollen“, sagte Apermann.

Mit Budni holen sich die Apotheken allerdings einen Partner, der ihnen an anderer Stelle das Wasser abgräbt und sich auf den Verkauf apothekenexklusiver Produkte stürzt wie kaum ein anderer Drogeriemarkt. Apermann selbst versorgte die Hamburger Filialen mit Waren, die die Hersteller lieber in der Apotheke sehen.

Künftig könne man mit den Unternehmen verhandeln, dass ihre Präparate eben nicht mehr bei Budni, sondern in den Budni-Partner-Apotheken vertrieben würden, so Apermann. Abgesehen davon bezeichnet er sich als einen sehr ernsthaften Verfechter der Apothekenpflicht.

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