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Banken pfänden bei „Zur Rose“

Patrick Hollstein, 12. Juni 2009, 13:56 Uhr

  • "Begründete Besorgnis": Der schweizerischen Unternehmensgruppe "Zur Rose" drohen Kapitalverlust oder Überschuldung.
Berlin -

Die schweizerische Firmengruppe „Zur Rose“ steckt in einer schweren Krise. Nachdem das Unternehmen im vergangenen Jahr knapp drei Millionen Euro Verlust geschrieben hat, sieht auch die Finanzierung problematisch aus. Weil die Gruppe ihre Vereinbarungen mit den Banken in Sachen Verschuldung und Eigenfinanzierung nicht erfüllen konnte, haben die Gläubiger nahezu die gesamten Firmenwerte gepfändet. Externe Gutachter warnen vor einem Totalausfall.

Bei „Zur Rose“ standen Ende 2008 Finanzschulden von rund 54 Millionen Euro einem Eigenkapital von rund 35 Millionen Euro und ein operatives Ergebnis (EBITDA) von knapp 6 Millionen Euro gegenüber. Abzüglich immaterieller Anlagen beziehungsweise flüssiger Mittel ergeben sich damit ein Eigenfinanzierungsgrad von 2,3 Prozent und ein Verschuldungsgrad von 7,8 Prozent. Zielsetzung für das Jahr 2008 waren aber eine Eigenfinanzierung von mehr als 25 Prozent und eine Verschuldung von weniger als 4 Prozent.

Aus diesem Grund haben die Banken für die bislang nicht durch Grundschulden besicherten Darlehen neue Garantien eingefordert: Sämtliche Aktien der Tochtergesellschaften wurden an die Gläubiger verpfändet. Dies betrifft die gesamten Firmenaktivitäten, da die Muttergesellschaft mittlerweile nur noch als Holding fungiert. In der Schweiz gehen außerdem alle Debitorenforderungen an die Banken, zusätzlich wurden Warenpfandversprechen abgegeben. Schließlich muss die Muttergesellschaft sämtliche Darlehen innerhalb der Unternehmensgruppe abtreten.

Keine guten Nachrichten für die rund 2000 schweizerischen Ärzte, die Anteile bei „Zur Rose“ gezeichnet haben. Das Management der Gruppe gibt sich zuversichtlich, die neuen Bedingungen der Banken - Verschuldung von maximal 9 Prozent und Eigenfinanzierung von mindestens 20 Prozent - einhalten zu können. Als Ziel für 2009 wurden eine moderate Umsatzsteigerung und eine deutliche Verbesserung der Ertragslage ausgegeben.

Zur Sanierung könnte ein Verkauf der Generikatochter Helvepharm beitragen. Das ursprüngliche Joint Venture mit Stada ist viertgrößter Generikahersteller in der Schweiz. Laut „Zur Rose“ wurde bereits ein Prozess eingeleitet, um Helvepharm in eine „strategische Partnerschaft einzubringen, unter Beibehaltung einer strategischen Kooperation mit 'Zur Rose'“.

Vor allem die deutschen Aktivitäten werden von den externen Gutachtern jedoch kritisch gesehen: Sollten die deutsche Tochter und die tschechische Versandapotheke VfG die anvisierten Ergebnisse nicht erfüllen, könnten Wertberichtigungen erforderlich werden, so die Abschlussprüfer in ihrem Bericht. In diesem Fall bestünde „begründete Besorgnis eines Kapitalverlusts bzw. einer Überschuldung“.

2008 erwirtschaftete „Zur Rose“ einen Umsatz von umgerechnet rund 350 Millionen Euro. Während der Großhandel mit Praxisbedarf um 6 Prozent auf rund 208 Millionen Euro und die Generikasparte Helvepharm um 24 Prozent auf rund 14 Millionen Euro zulegten, sanken die Umsätze im Versandhandel um 5 Prozent auf 135 Millionen Euro, wobei sich das Geschäft in der Schweiz noch positiv entwickelte.

Die VfG war 2008 nach einem Gewinn im Vorjahr in die Verlustzone gerutscht; die deutsche Tochter befindet sich laut „Zur Rose“ ohnehin noch in der Aufbauphase. 2007 hatte VfG rund 53 Millionen Euro umgesetzt. Die deutsche Tochter erwirtschaftete 34 Millionen Euro und fuhr einen Verlust von 3,2 Millionen Euro ein.

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