ApBetrO: Scheitern als Strategie
„Mehr Sicherheit für Patienten – weniger Bürokratie für die Apotheke“: Im Bundesgesundheitsministerium (BMG) ist man mit sich und der Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) zufrieden. Vom ursprünglich... Mehr
Janina Rauers und Désirée Kietzmann, 02. September 2010, 18:17 Uhr
Für ihr Kosmetiksortiment haben Apotheken die Wahl zwischen zahlreichen Herstellern und Produkten. Hinter vielen Marken stecken große Konzerne - einige Produktlinien haben ihren Ursprung allerdings auch in der Rezeptur eines Pharmazeuten. So wurden die ersten Cremes der Marken Frei und Dr. Theiss von Apothekern selbst gerührt.
Im Jahre 1951 gründete Apotheker Walter Bouhon das gleichnamige Unternehmen, das später mit seiner Marke „Freiöl“ bekannt wurde. Bouhon war Inhaber von Nürnbergs ältester Apotheke, der Mohren-Apotheke zu St. Lorenz. Eigentlich wollte Bouhon nur Fertigarzneimittel herstellen. Noch heute sind die pflanzlichen Beruhigungsmittel Moradorm S (Baldrianwurzel, Passionsblumenkraut und Hopfenzapfen) und das Schlafmittel Moradorm (Diphenhydramin) auf dem Markt.
Doch 1966 wurde der Grundstein für das Geschäft mit Kosmetika gelegt: Damals verkaufte Bouhon erstmals Massageöl für Schwangere, das heute als „frei PflegeÖl“ in beinahe jeder Apotheke erhältlich ist. Ursprünglich hatte Bouhon das Produkt für seine Frau und seine Familie entwickelt - und eine Marktlücke entdeckt. Noch heute ist das Öl gegen Schwangerschaftsstreifen nach Unternehmensangaben Marktführer in diesem Bereich. Neben Schwangeren greifen auch Bodybuilder und Teenager in der Pubertät zu der Marke, die heute nur noch „Frei“ heißt.
Inzwischen beschäftigt die Firma Apotheker Walter Bouhon knapp 50 Mitarbeiter. Über Kooperationspartner ist das Unternehmen im Ausland aktiv, darunter Österreich, Polen, Griechenland und Korea. Allerdings musste Bouhon in den vergangenen Jahren sinkende Marktanteile verkraften. Depotverträge sind kein Thema, denn der Firmengründer hatte sie stets abgelehnt: Seine Ware sollte möglichst breit zugänglich sein. Und so sind Frei-Produkte in allen Apotheken erhältlich, die schriftlich auf den Weiterkauf an Drogeriemärkte verzichten.
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