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Markenrechte

Aspirin als Reparationszahlung

Désirée Kietzmann, 28. Juni 2010, 09:14 Uhr

  • Marke ohne Recht: Bayer verlor im ersten Weltkrieg gegenüber den Alliierten die Hoheit über Aspirin.Foto: Elke Hinkelbein
  • Nur das Original: Weil in den USA der Begriff Aspirin für ASS steht, heißt das Produkt aus Leverkusen Genuine Bayer Aspirin.Foto: Elke Hinkelbein
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Berlin -

Tempo, Tesa, Labello - wenn sich ein Produktname als Bezeichnung für eine ganze Gattung etabliert, werden Träume von Marketing-Strategen wahr. Auch bei Medikamenten ist das Phänomen bekannt: Nicht selten wird pauschal von Aspirin gesprochen, wenn von Schmerztabletten die Rede ist. Doch während in Deutschland nur das Original von Bayer den Namen tragen darf, steht in den USA und Großbritannien auf nahezu jedem Acetylsalicylsäure-Präparat „Aspirin“. Grund: Das Warenzeichen war jahrelang in fremden Händen.

Bayer verlor seine Rechte schon mit dem Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg: Die US-Behörde „Alien Property Custodian“, zuständig für die Verwaltung ausländischen Eigentums, hatte 1917 die Bayer-Vertretung in den USA beschlagnahmt. Zwei Jahre später ersteigerte das Pharmaunternehmen Sterling Products für 5,3 Millionen US-Dollar das US-Geschäft des Leverkusener Konzerns. Bayer verlor damit die Rechte an allen Warenzeichen, darunter Aspirin, und sogar seinen eigenen Namen und sein Markenzeichen, das Bayer-Kreuz.

Um weiterhin Arzneimittel in den USA vertreiben zu können, gründete Bayer in der Folge die Tochtergesellschaften Chemagro, Rhinechem und die Mobay. Erst 1992 firmierte Bayer in den USA unter dem einheitlichen Namen Miles. Zwei Jahre später kauften die Leverkusener die nordamerikanische OTC-Sparte von Sterling Winthrop und damit den alten Namen und die Warenzeichen zurück.

Da Bayer die Versteigerung nie angefochten hat, konnte sich der Name „Aspirin“ als Synonym für Acetylsalicylsäure-Präparate durchsetzen. Um das Original von der Konkurrenz abzugrenzen, steht auf den Packungen des Leverkusener Konzerns nun „Genuine Bayer Aspirin“.

In Großbritannien, Russland und Frankreich war die Entwicklung ähnlich, denn hier wurden die Markenrechte an Aspirin nach dem Ersten Weltkrieg von den Alliierten beschlagnahmt. In Frankreich hat Bayer vor einigen Jahren die Marke „Aspirin-du Rhone“ von Rhone Poulenc gekauft, um wieder auf dem Markt präsent zun sein. In den GUS-Staaten wird Aspirin von Bayer vermarktet. Nach Auflösung der UdSSR hatte der Konzern neue Zulassungen für Aspirin beantragt. In Großbritannien ist Aspirin zwar zugelassen, wird aber von Bayer nicht vermarktet.

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