Der Wahn des Großkunden
Es ist das Mantra des Großkunden: Die Krankenkassen wollen ihren alten Apothekenabschlag von 2,30 Euro zurück. Mit dieser Maximalforderung geht der GKV-Spitzenverband in jede politische Debatte. Neu... Mehr
APOTHEKE ADHOC, 24. September 2010, 14:38 Uhr
In seiner Stellungnahme zum Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) hat sich der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH) überraschend dafür ausgesprochen, Apotheken künftig das Großhandelsgeschäft zu verbieten. APOTHEKE ADHOC sprach mit Dr. Hermann Kortland, BAH-Geschäftsführer Grundsatzfragen GKV/ Wirtschaft/Internationales, über den Graumarkt, Pflichten für den Großhandel und die Aufgaben der Apotheken.
ADHOC: Was verstehen Sie unter Graumarkt?
KORTLAND: Über den Graumarkt, also über graue Kanäle, gelangen Arzneimittel, die für die Versorgung deutscher Patienten gedacht sind, ins Ausland. Der Grauhändler erzielt dabei auf Grund des unterschiedlichen Preisniveaus eine Rendite. Wir hatten diese Erscheinung in der Vergangenheit häufig, gerade bei innovativen, hochpreisigen Arzneimitteln. Es gibt Belege und Beweise dafür, dass bei diesen hochinnovativen Arzneimitteln in Deutschland Versorgungsengpässe aufgetreten sind, dass diese Arzneimittel in Apotheken also nicht vorhanden waren.
ADHOC: Welche Präparate sind betroffen?
KORTLAND: Es ist natürlich schwierig, einzelne Präparate, etwa Atemwegpräparate oder Krebsmittel, zu nennen. Das steht mir als Verbandsvertreter auch nicht zu. Es sind aber durchgängig alle innovativen Arzneimittel betroffen - in allen Indikationsbereichen. Und es ist ein flächendeckendes Problem. Es reicht ja aus, dass Arzneimittel im Ausland, beispielsweise in Großbritannien oder in den USA, zu höheren Preisen abverkauft werden können. Dann ist die Gefahr des Graumarkts für viele innovative Arzneimittel gegeben.
ADHOC: Wie groß ist der Graumarkt?
KORTLAND: Mir sind im Moment keine aktuellen Zahlen in Millionen oder Milliarden Euro bekannt. Ich kann leider nichts dazu sagen.
ADHOC: Wie soll der Graumarkt eingeschränkt werden?
KORTLAND: Wir haben zunächst einmal gefordert, dass der pharmazeutische Großhandel sich verpflichtet, Arzneimittel nur beim pharmazeutischen Unternehmer zu kaufen. Das ist ein Ausgleich zum Belieferungsanspruch, den der Gesetzgeber dem pharmazeutischen Großhandel eingeräumt hat. Damit ist sicherlich nicht für alle Zeiten ausgeschlossen, dass der Großhändler doch ins Ausland absetzt. Aber die Gefahr ist deutlich reduziert, denn wenn der Großhandel verpflichtet ist, nur beim Originalhersteller einzukaufen, dann darf er im Umkehrschluss nicht mehr im Graumarkt, im Zwischenhandel kaufen. Das würde sicherlich dem Graumarkt und dem Abfluss von Arzneimitteln ins Ausland einen Riegel vorschieben.
ADHOC: Warum sollen Apotheker keine Großhändler sein?
KORTLAND: Wir treten dafür ein, dass der Apotheker über den apothekenüblichen Betrieb hinaus keinen weiteren Großhandel betreiben darf. Ein Apotheker ist ein Apotheker, soll die Patienten mit Arzneimitteln versorgen und hat nicht die gesetzliche Aufgabe, andere Apotheken oder andere Großhändler mit Arzneimitteln zu versorgen. Der Apotheker ist gebunden an den apothekenüblichen Betrieb. Er kann bis zu drei Filialapotheken betreiben. Das ist völlig in Ordnung und auch richtig. Aber dass ein Apotheker daneben, über den Filialbetrieb hinaus, noch Großhandel betreibt, das ist nach unserer Auffassung nicht gerechtfertigt.
apotheke adhoc Debatte 4 Kommentare
MitdiskutierenAuswüchse beim Großhandel schaden noch mehr als Versandhandel
nachdem heute Krethi und Plethi – auch Apotheker- mit Arzneimitteln handeln dürfen, ist dieser Markt für alle völlig intransparent geworden. Auch hier hat die Liberalisierung mit dem daraus folgenden Wettbewerb mehr Schaden als Nutzen verursacht.
war doch klar
Jetzt gibt jeder Beteiligter, ob GKV, KK, Verbände jeglicher Art und Hersteller ihren Senf dazu. Das Törchen ist ja gerade offen und so macht es Sinn seinen Wunschzettel auch noch abzugeben.
Bleibt zu hoffen, dass unser Verband endlich mal mehr Professionalität zeigt und mal eine Rechnung aufmacht, was einer Apotheke (ohne Mönter oder sonstigen Ausreissern) so übrigbleibt, wenn man alle Wunschzettel jeglicher Richtungen, vom Rohertrag substrahiert. Bleibt da mehr als ein Hartz IV Satz übrig?
vielleicht sollten die hersteller...
... auch nur noch ein produkt herstellern dürfen
mir ist es ja egal, was die großhandel-lizenz angeht, aber was mischen die sich hier ein?
was ist denn heute los?
untergang des abendlandes? linda und pickup. vers-apo und rx-bonus. bah und phagro????