Der Wahn des Großkunden
Es ist das Mantra des Großkunden: Die Krankenkassen wollen ihren alten Apothekenabschlag von 2,30 Euro zurück. Mit dieser Maximalforderung geht der GKV-Spitzenverband in jede politische Debatte. Neu... Mehr
Patrick Hollstein, 14. Dezember 2011, 16:28 Uhr
In Frauenfeld, 50 Kilometer nordöstlich von Zürich, wird 1999 ein neues Logistikzentrum mit einer Fläche von 4500 Quadratmetern eröffnet. Genügend Kapazitäten, um Anfang 2001 als Versandapotheke mit der Direktbelieferung an Patienten zu beginnen. Verschickt werden jahrelang nur verschreibungspflichtige Arzneimittel, denn in der Schweiz muss für den Versand von Arzneimitteln ein Rezept vorliegen. Seit Januar dieses Jahres lotet „Zur Rose“ mit Hilfe von Online-Ärzten die Dehnbarkeit der Vorschriften aus.
2004 nehmen die schweizerischen Ärzte deutsche Patienten ins Visier: Im August gründet „Zur Rose“ die Niederlassung in Halle an der Saale; neun Millionen Euro sollten in das Logistikzentrum fließen, das formal als Dienstleister für den Köthener Apotheker Ulrich Nachtsheim auftritt. „Maßgeblich“ unterstützt wird die Kapitalgesellschaft von Stadt und Land – Halles damalige Oberbürgermeisterin Ingrid Häußler heißt die Investoren persönlich willkommen. Aus den versprochenen 400 Arbeitsplätzen wird freilich nichts; heute arbeiten 80 Mitarbeiter am Standort.
Im Dezember 2004 startet das Versandgeschäft in Deutschland. Zwei Jahre später kauft die Firmengruppe die tschechische Versandapotheke VfG, die sich auf OTC-Produkte zu Discountpreisen spezialisiert hat. 25 Millionen Euro zahlt „Zur Rose“ an den Leipziger Marketingexperten Professor Dr. Christian Schleuning, der kurz darauf an seinem nächsten Projekt – dem Aufbau einer Apothekenkette – scheitern wird.
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