Der Wahn des Großkunden
Es ist das Mantra des Großkunden: Die Krankenkassen wollen ihren alten Apothekenabschlag von 2,30 Euro zurück. Mit dieser Maximalforderung geht der GKV-Spitzenverband in jede politische Debatte. Neu... Mehr
Benjamin Rohrer, 28. Juni 2011, 09:59 Uhr
In Sachen Nichtraucherschutz gibt es die vielfältigsten Ansätze: In Griechenland drohen Rauchern Geldstrafen von bis zu 10.000 Euro, in Spanien und New York ist das Rauchen in der Öffentlichkeit verboten, und Russlands Präsident Wladimir Putin hat seinen Kabinettskollegen die Glimmstängel untersagt. Nun will Island das wohl strengste Anti-Rauch-Gesetz verabschieden, das die Welt je gesehen hat. Ihre Zigaretten sollen die Isländer künftig nur noch mit einem ärztlichen Rezept aus der Apotheke bekommen.
Im Rahmen eines „10-Jahres-Aktionsplans“ haben mehrere Parlamentarier einen parteiübergreifenden Antrag gestellt, der schon bald verabschiedet werden soll. „Hauptziel des Aktionsplans ist es, Jugendliche vom Rauchen abzuhalten und die Rekrutierung von neuen Rauchern einzudämmen“, schreiben die Parlamentarier.
Der Zugang zu Tabakprodukten soll schrittweise erschwert werden. Die erste Stufe sieht ein Verkaufsverbot in Supermärkten, in der Nähe von Schulen und in Tankstellen vor. Danach sollen Zigaretten nur noch in Apotheken erhältlich sein. Das ultimative Ziel ist es, dass Ärzte „Tabak-Rezepte“ ausstellen: Die Mediziner sollen den Suchtgrad diagnostizieren und nur noch stark abhängigen Menschen Zigaretten verschreiben.
Doch Isländer, die sich auf „Kippen von der Kasse“ freuen, werden enttäuscht: Nur in medizinisch begründeten Fällen und für die Rauchentwöhnung sollen die Kosten von der Krankenversicherung getragen werden. Um auch den letzten Jugendlichen vom Tabak fern zu halten, sollen die Zigarettenpreise jährlich um 10 Prozent erhöht werden und jegliche Werbung für Tabakprodukte untersagt werden. Kampagnen, in denen Jugend, Fitness, Reichtum, Männlichkeit oder Weiblichkeit vermittelt werden, seien „zu positiv“.
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