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Großbritannien

Novartis mit DTP nicht zufrieden

Patrick Hollstein, 04. Juni 2010, 09:40 Uhr

  • Direkt statt DTP: In Großbritannien nimmt Novartis einige Produkte aus dem Exklusiv- in den Eigenvertrieb.Foto: Elke Hinkelbein
Berlin -

Mit ihren Exklusivvertriebsmodellen (Direct to pharmacy, DTP) haben die multinationalen Pharmakonzerne den britischen Pharmagroßhandel innerhalb von drei Jahren regelrecht stranguliert. Aus Großhändlern wurden Auftragslogistiker; drei internationale Pharmahändler haben die unternehmerische Neuausrichtung mitgemacht und sind noch im Rennen: AAH (Celesio), Phoenix und Alliance Healthcare (Boots). Die Lieferprobleme sind trotz Marktabschottung schlimmer geworden. Jetzt vertreibt Novartis zehn Produkte nicht mehr exklusiv, sondern nur noch selbst.

Eigentlich hatten die Hersteller den Abfluss von Produkten aus dem britischen Markt - vor allem in Richtung USA - verhindern wollen: Bei DTP bleibt der Pharmakonzern bis zur Abgabe an die Apotheke Eigentümer der Ware, bei so genannten „reduced wholesaler“-Modellen dürfen nur ausgewählte Großhändler die Produkte vertreiben.

Doch offenbar zeigen die wettbewerbsrechtlich umstrittenen Vertragsmodelle wenig Wirkung. Die Schwäche des britischen Pfunds hat die Nachfrage im europäischen Ausland steigen lassen; der ehemalige Importmarkt ist zum Exportmarkt geworden. Die Hersteller werfen den Apothekern vor, Ware ins Ausland zu verkaufen statt an Patienten abzugeben, und drehen den Hahn weiter zu. Die Pharmazeuten klagen über massive Lieferprobleme.

Das Misstrauen sitzt tief. Jetzt kippt der Pharmakonzern Novartis für zehn hochpreisige Produkte sogar sein DTP-Modell: Aclasta, Afinitor, Exjade, Glivec, Myfortic, Sandimmun, Sandostatin, Tasigna, Tobi und Zometa werden seit Monatsbeginn nur noch direkt vertrieben. „Patient Priority Supply Service“, lautet der hauseigene Terminus für das Effizienzprogramm. Nach Medienberichten hatte Novartis zuletzt sogar von Apothekern verlangt, die jeweilige ärztliche Verordnung mit der Bestellung zu faxen, und damit den Unmut der Branche auf sich gezogen.

Solche Maßnahmen dürften in Zukunft hinfällig sein - dank Direkt- statt Exklusivvertrieb. Branchenpionier Pfizer, seit 2007 im Geschäft mit Alliance Boots, hatte bereits vor einem Jahr damit begonnen, Apotheken, die durch ungewöhnliche Bestellungen auffallen, genauer unter die Lupe zu nehmen.

Unterdessen läuft die DTP-Rallye weiter: Medac vertreibt seit März exklusiv, Alk Abello und Bayer Diabetes Care seit April, Shire seit Mai, Boehringer Ingelheim seit Anfang Juni. Produkte von Schering-Plough sind ab Juli nur noch exklusiv zu beziehen.

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