Der Wahn des Großkunden
Es ist das Mantra des Großkunden: Die Krankenkassen wollen ihren alten Apothekenabschlag von 2,30 Euro zurück. Mit dieser Maximalforderung geht der GKV-Spitzenverband in jede politische Debatte. Neu... Mehr
Benjamin Rohrer und Patrick Hollstein, 11. Oktober 2011, 17:20 Uhr
Kleine Ketten, große Ketten, Einzelapotheken: Eigentlich wollte die schwedische Regierung nach der Liberalisierung einen bunten Apothekenmarkt mit möglichst vielen unterschiedlichen Anbietern. Doch jetzt entwickelt sich eine gefährliche Eigendynamik: Die ersten Kettenbetreiber steigen aus dem Großhandelssystem aus und ziehen eigene Lieferwege auf. Kommt es zu einem Dominoeffekt, könnte am Ende ein Oligopol wie im Nachbarland Norwegen stehen - nur diesmal ohne Boots, Celesio und Phoenix.
Derzeit gibt es nur zwei Großhändler in Schweden: die Oriola-Tochter Kronans Droghandel (KD) und die Phoenix-Tochter Tamro. Beide Unternehmen vertreiben jeweils exklusiv die kompletten Sortimente bestimmter Hersteller (so genannter Einkanal-Vertrieb) und beliefern folglich alle Apotheken.
Dass das System unter Druck geraten würde und dass als erstes die großen Kettenbetreiber handeln würden, war von Anfang an klar. Weil schwedische Apotheken in der Regel größer sind als deutsche, könnte sich der eigene Großhandel nach Meinung von Branchenkennern bereits ab 300 Apotheken lohnen.
Vergleichsweise spät kommt daher jetzt der Umbruch. Bis Januar will die größte private Apothekenkette Hjärtat einen eigenen Vollsortimenter aufstellen und selbst mit den Herstellern verhandeln; die ersten Gespräche laufen bereits. Die Verträge mit den beiden bisherigen Großhändlern werden gekündigt.
Hjärtat arbeitet mit der Spedition „Green Cargo“ zusammen; der Vertragspartner ist verantwortlich für Lagerhaltung und Transport. Aus dem Großhandelszentrum im südschwedischen Norrköping sollen alle 270 Filialen beliefert werden - bis zu zweimal am Tag. Auch Apotheken in weit abgelegenen Regionen in Nordschweden sollen gut versorgt werden.
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apotheke adhoc Debatte 2 Kommentare
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Eigendynamik
"Eigentlich wollte die schwedische Regierung nach der Liberalisierung einen bunten Apothekenmarkt mit möglichst vielen unterschiedlichen Anbietern. Doch jetzt entwickelt sich eine gefährliche Eigendynamik"
Ja, das passiert immer, wenn die Politik eingreift und einen funktionierenden Markt verbessern will. Die Marktkomplexizität wird von ihr mangels Wissen völlig unterschätzt und durch den naiven Eingriff an 2 oder 3 Stellen reagiert der Markt am Ende genau entgegen gesetzt. Dann ist das Geschrei und der Aktionismus groß und die Markteilnehmer mit ihrem unredlichen Gewinnstreben sind schuld ...