Schweiz

„Freiheiten, die eines Freiberuflers würdig sind“ APOTHEKE ADHOC, 18.10.2016 14:58 Uhr

Berlin - Bei den Nachbarn in der Schweiz arbeiten Apotheker unter anderen Bedingungen als hierzulande. Björn Kersting führte von 2003 bis 2013 die Apotheke Alte Messe in Leipzig. Nun arbeitet er bei einer Schweizer Topwell-Apotheke. Nach etwa elf Monaten zieht er Bilanz und vergleicht den Stand der deutschen und Schweizer Apotheker.

Was den deutschen Apothekern der Versandhandel, das sei den Schweizern das Dispensationsrecht der Ärzte, so Kersting. Aus seiner Sicht überschätzen sich die Ärzte selbst: Einige Apotheken hätten bereits wegen Umsatzeinbußen schließen müssen. Allerdings seien in der Schweiz Ärzte und Apotheker noch eher „Partner auf Augenhöhe“ als in Deutschland. Dort sei der Apothekerberuf „zum Handlangerjob für Ärzte, Kassen und Patient verkommen“, sagt Kersting. Rabattverträge und Retaxationen schränkten die Pharmazeuten in ihren Kompetenzen ein.

In der Schweiz ist das System anders: Wenn ein Apotheker für ein verordnetes Medikament ein günstigeres abgebe, erhält er Kersting zufolge bei der erstmaligen Substitution 40 Prozent der Ersparnis. „Es ist ein Anreizsystem und kein gnadenloses Bestrafungssystem“, so Kersting. Bei Ärztefehlern würden die Apotheker ebenfalls nicht sanktioniert.

Anders als in Deutschland muss in der Schweiz immer ein Apotheker das Rezept vor Abgabe des Medikaments prüfen. Die Befugnisse der PTA – in der Schweiz heißen sie PA – seien damit im Vergleich zu ihren deutschen Kollegen eingeschränkt, so Kersting.

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