Schweden macht ernst APOTHEKE ADHOC, 23.02.2009 19:09 Uhr
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Auf der Zielgerade: Das schwedische Parlament wird sich in den kommenden Wochen mit der Freigabe des Apothekenmarktes beschäftigen. Foto: Riksdag
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Versorgung verbessern: Der schwedische Gesundheitsminister Göran Hägglund hofft auf mehr Apotheken, kürze Warteschlangen und längere Öffnungszeiten. Foto: Regeringskansliet
Berlin - Die schwedische Regierung hat heute dem Parlament Riksdag ihren Gesetzesentwurf zur Deregulierung des Apothekenmarktes vorgelegt. Demnach sollen ab Juli Ketten zugelassen werden. Gesundheitsminister Göran Hägglund hofft auf mehr Apotheken, kürze Warteschlangen und längere Öffnungszeiten. Bis Ende April soll nun in Ausschüssen und im Plenum über die Vorlage beraten werden. Dass die Pläne noch grundlegend geändert werden, ist trotz des Widerstands der Sozialdemokraten nicht zu erwarten.
Schweden liege hinsichtlich der pharmazeutischen Versorgung weit hinter anderen Ländern und sei eins von wenigen Ländern weltweit mit staatlichem Apothekenmonopol, so Hägglund. Zahlreiche Anläufe hätten sich bereits mit Thema beschäftigt, aber nie zu konkreten Vorschlägen geführt.
Die Pläne der konservativen Regierung sehen vor, dass die staatliche Apothekenkette Apoteket die Hälfte ihrer 900 Apotheken in Clustern an Kettenbetreiber verkaufen muss. Von den verbleibenden Apotheken soll eine Hälfte durch Apoteket alleine, der andere Teil in Zusammenarbeit mit einzelnen Apothekern betrieben werden. Die Pharmazeuten könnten - analog zu Franchisemodellen wie Starbucks oder Seven Eleven - schrittweise Anteile erwerben, erklärte ein Ministeriumssprecher gegenüber APOTHEKE ADHOC.
Auf diese Weise will die Regierung den Apothekern, deren Berufsbild im Staatsmonopol fast 40 Jahre lang nur Angestelltenkarrieren ermöglichte, den Schritt in die Selbstständigkeit erleichtern. Durch den gemeinsamen Auftritt sollen die Apotheker wettbewerbsfähiger sein. Auch beim Apothekerverband arbeitet man bereits an Plänen für eine gemeinsame Kooperation.
Dennoch setzt die Regierung entsprechend dem in Auftrag gegebenen Gutachten vor allem auf große Einheiten: In Paketen von bis zu 20 Apotheken soll der Staatsbetrieb ausverkauft werden. Man hoffe, dass die großen Kettenbetreiber rasch expandieren und die Apothekendichte steigern werden, so der Sprecher weiter. Man wolle aber auch kleinen Anbietern einen Zugang garantieren, um eine Situation wie in Norwegen zu vermeiden.
Niederlassungsbeschränkungen für neue Apotheken sind nicht vorgesehen; außer Ärzten und Pharmaherstellern soll jeder Apotheken besitzen dürfen. Im OTC-Bereich sollen die Preise frei kalkulierbar bleiben; im Generikabereich hofft die Regierung auf mehr Wettbewerb. Auch im Bereich der Originalprodukte sollen die Anbieter frei mit den Herstellern verhandeln können.
Ebenfalls noch in diesem Jahr, voraussichtlich ab November, soll schließlich eine Reihe von OTC-Produkten außerhalb von Apotheken erhältlich sein. Die Bestimmungen sehen unter anderem eine getrennte Lagerung und die Abgabe durch geschultes Personal ausschließlich an volljährige Kunden vor. Schon heute können in entlegenen Gegenden ohne Apotheke einige Geschäfte OTC-Produkte abgeben.
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