Randnotiz

Der schlemmende Apotheker Alexander Müller, 15.07.2017 09:36 Uhr

Berlin - In diesem Jahr geht es zum Sommerurlaub mal wieder nach Italien. Gutes Essen, tolle Landschaften, historische Städte und eine wundervoll klingende Sprache. Die ich leider nicht spreche. Zumindest auf diesen Umstand weise ich im Ausland gerne entschuldigend in der Landessprache hin. Damit es vielleicht ein bisschen mehr wird, hatte ich mir ein schon etwas älteres Buch ausgeliehen, das irgendwo zwischen Sprachkurs und Reiseführer rangiert: Eine Reise nach Neapel, heißt es. Besonders reizend ist ein Tipp zu italienischen Apotheken.

Das gute Essen habe ich schon erwähnt. Mein Buch gibt hierzu wertvolle Tipps. Zwar sei fast jede Trattoria gut, aber es gebe eben immer auch versteckte kleine, in denen man ganz besonders erstklassig essen könne. Und die gilt es zu finden. „Wie bekommen wir heraus, wo wir am besten essen?“, fragt Autor Reinhard Raffalt (15. Mai 1923, † 16. Juni 1976) und liefert die Antwort sofort: „Wir gehen in eine Apotheke, in eine farmacia.“

Nein, die Grenzen apothekenüblicher Waren und Dienstleistungen sind auch in Italien nicht so weit gefasst. Es geht nur um den Ratschlag. Die Pharmazeuten seien nur eben „berühmt dafür, dass sie alle ausgezeichnet essen“. Also sollen wir zum Apotheker sagen: „Scusi, dottore, vorrei trovare una buona trattoria.“ Oder: „Scusi, dottore, dove è una trattoria veramente buona?“

Angeblich finden italienische Apotheker es vollkommen normal, mit so einer menschlich verständlichen Bitte konfrontiert zu werden. Raffalt wird es gewusst haben, er hat lange in Italien gelebt, war „Vatikankorrespondent“ der Passauer Neuen Presse und Direktor der Biblioteca Germanica in Rom.

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