Finanzkrise

Griechen müssen OP-Material mitbringen dpa, 11.06.2012 12:16 Uhraktualisiert am 11.06.2012 16:05 Uhr

Berlin - Es fehlt am Nötigsten: Medikamente, Gips und sogar Klopapier. Aus fast allen Krankenhäusern und Regionen Griechenlands kommen Hilferufe. Das griechische Gesundheitssystem bricht zusammen. „Die griechischen Politiker streiten sich im Fernsehen darüber, wie das Land regiert werden soll, und wir haben hier keinen Gips“, sagt ein Arzt des Krankenhauses der Ostägäisinsel Chios.

Noch dramatischer ist die Lage für Herzkranke und Menschen mit Gefäßverengungen. Die größte Klinik in der nordgriechischen Hafenstadt Thessaloniki führt seit Tagen keine kardiologischen Untersuchungen und Operationen mehr durch. Stents können nicht mehr implantiert werden, weil die Lieferanten ohne Barzahlung kein Material schicken, sagen mehrere Ärzte. Das Krankenhaus habe kein Geld mehr, um die Stents zu kaufen.

„Hier herrscht Chaos. Mit Menschenleben kann man aber nicht spielen“, klagen Ärzte. Ihre Hilferufe wurden zumindest von der Staatsanwaltschaft erhört. Sie schaltete sich am Montag ein und lässt prüfen, inwiefern der Mangel an medizinischem Material Menschenleben gefährdet.

Während das öffentliche Gesundheitssystem vor dem Kollaps steht, müssten eigentlich private Krankenhäuser jubeln. An sie können sich die verzweifelten Patienten wenden. Doch viele Griechen können sich die teuren Kliniken nicht leisten. „Die Menschen haben kein Geld mehr. Wir haben nur noch halb so viele Patienten wie vor drei Jahren“, sagt ein Arzt der größten Privatklinik nahe der Hafenstadt Piräus am Montag.

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