Griechenland

Apothekerin: Ich fürchte um mein Leben Carolin Bauer, 26.06.2012 15:24 Uhr

Berlin - Totalausfall der Krankenversicherung, Medikamente nur gegen Barzahlung: Das griechische Gesundheitssystem, eben noch auf festen sozialstaatlichen Füßen, steht vor dem Kollaps. In den Straßen Athens ist es zwar ruhiger geworden, doch Frust, Angst und Verzweiflung sind allgegenwärtig. Die Ermordung eines Apothekers Mitte Juni war trauriger Höhepunkt einer dramatischen Entwicklung des krisengeschüttelten Landes. Die griechischen Pharmazeuten fürchten nicht nur um ihre Existenz, sondern auch um ihr Leben.

Der Apotheker war in der griechischen Hauptstadt bei einem Raubüberfall vor seiner Apotheke erschossen worden. Wenige Tage zuvor hatte der griechische Apothekerverband auf die verheerende Situation hingewiesen. Die Pharmazeuten forderten für die Krankenkasse EOPYY eine finanzielle Unterstützung.

Doch bislang hat sich nichts geändert: „Ich gebe seit einem Monat keine Medikamente mehr ab, wenn sie nicht sofort bezahlt werden können“, sagt die junge Apothekerin Katharina. Ihren Nachnamen will sie nicht nennen – aus Sicherheitsgründen.

Mit Schrecken erinnert sie sich an die Ermordung ihres Kollegen vor etwa zwei Wochen: „Ich habe Angst, dass mir etwas ähnliches passiert. Seitdem gehe ich nicht mehr mit Taschen auf die Straße“, sagt sie. „Jemand der nichts hat, wird auch nicht sofort ausgeraubt.“ Dass sie selbst nichts hat, zeigen ihre Bücher: Seit Wochen verbuche sie keinen Gewinn mehr. „Mein ganzes Einkommen geht momentan in Rechnungen“, klagt die 27-Jährige.

APOTHEKE ADHOC Debatte

Ältere Kommentare lesen 4 Kommentare
  • 27.Juni 2012, 08:21Uhr
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    #4@ 2 volle Zustimmung, aber ein großes Aber ...

    .... Schäuble hält das Geld nicht zusammen. Er klaut es höchstens den Kommunen und Ländern, die immer mehr verarmen. Außerdem hätten Schäuble und Co. früher regiert befänden wir uns jetzt in einem extrem teuren "Solidarkrieg" im Irak. Durch das Hüh und Hott bei Atomausstieg klagt sich die Atomindustrie 10-30 Millarden ein. Der Schutzschirm muß irgendwann bezahlt werden, oder glaubt einer ernsthaft das wir nur "Bürgen" bleiben. Dazu ist Schäuble ein korrupter Krimineller (Kofferaffäre) der in kein hohes Amt gehört. Nicht das ich glauben würde das es Rot-Grün wesentlich besser macht, aber kurz vor einem (Zinseszinssystem geschuldeten) Währungszusammenbruch ist es besser viel Geld auszugeben und massiv Schulden zu machen. Die Inflation steht an der Tür und klopft. Dann als einziger sparen auf Kosten der Substanz und alle anderen bauen ihre Infrastruktur über Schulden noch mal kurz vorher schön auf. Wer steht danach besser da, wenn de hohen Schulden durch Inflation, neue Währung oder den "großen" Schuldenschnitt weg sind ? Zur angeblichen "sozialstischen" Mißwirtschaft und "solide finanzierten" kapitalistischen Staaten, 1€-Jobbern für IKEA auf der OST-Seite .... empfehle ich Volker Pispers. :-) Er entlarvt auch die kapitalistische Gehirnwäsche von freien Markt, ewigen Wachstum etc. ..... . Wir erkennen aus Erfahrung wenn ein System kurz vor dem Zusammenbruch steht oder :-) .

  • 26.Juni 2012, 21:18Uhr
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    #3Seismische Erschütterung der Gesellschaft.

    "Bisher ließen sich die meisten Fehlentscheidungen irgendwie kompensieren. Plötzlich darf man sich keine wirtschaftlichen Fehlentscheidungen mehr leisten. Gerecht? Aus Sicht des Ökonomen sicherlich. Aus Sicht des Verbrauchers: Er wird es erst registrieren, wenn es die Umschau nicht mehr kostenlos gibt und die Werbegeschenke etwas rarer werden und dann die Tür ganz verschlossen bleibt." Ein paar wichtige Sätze die das Dilemma, aber auch die Lösung zeigen. Damit wir nicht einmal in die Nähe griechischer Verhältnisse kommen, sollten wir den Mut haben "Nein" zu sagen. Also lieber Kollege, wann hörst du auf, Deinen Kunden unnötige "Geschenke" besser wohl Bestechungsversuche, damit sie Dich als Apotheker lieb haben, hinterherzu werfen? Von dem was du sparst, kannst Du dann sogar an den griechischen Kolleginnen und Kollegen Solidarität üben.

  • 26.Juni 2012, 20:53Uhr
    Community Mitglied

    #2Hoffnung?

    Eine wirklich schreckliche, tragische Entwicklung dort in Hellas. Wir hatten es im Osten auch nicht leicht, zu DDR-Zeiten. Alles war knapp, Baustoffe, Kleidung (wenn man etwas Vernünftiges wollte), auch Medikamente und gute Körperpflege, doch Unterkunft und zu Essen war immer ausreichend vorhanden. Solch' chaotische Zustände sind dem Januskopf des Kapitalismus geschuldet, der die Gesellschaft in Arm und Reich scheidet. Kriminalität und Gewaltexzesse, Drogensucht und Realitätsflucht sind Folgen der Armut. In Russland sind die Zustände sicherlich ähnlich, nur dass die Gewalt dort in die Gefängnisse verlagert wird. Darüber berichtet kaum jemand. Wir können wirklich froh sein, hier zu leben. So schön es auf Mallorca ist, auch dort werden sich infolge der Bankenkrise die gesellschaftlichen Gegensätze verschärfen. Aber auch die Angst vor Überfremdung durch die "reichen" Deutschen. Als Maßstab dürfen die griechischen Pharmazeuten nicht herhalten, eher als abschreckendes Beispiel. Auch wenn Deutschland schwindelerregend hohe Schulden macht, angeblich wird der verträgliche Rahmen eingehalten. Schäuble hält das Geld zusammen. Das ist ein großes Plus der jetzigen Bundesregierung. Rot-Grün würde diese Haushaltsdisziplin schon aufgrund ihrer Wahlversprechen mit Füllhorn-Mentalität nicht fortführen können. Die Krankenkassen haben in letzter Zeit im Arzneimittelbereich den Trend nach Oben gestoppt. Das ging auf Kosten der Industrie, des Großhandels und der Apotheken. Die Umsetzung der Sparmaßnahmen haben sie dabei allein uns Leistungserbringern aufgebürdet. Ärzte konnten sich mit einem Teil ihrer Forderungen durchsetzen. Wir nicht. Apotheker fallen zunehmend hinten runter. Die Karussellscheibe dreht sich schneller, gut dran ist derjenige der etwas mittiger sitzt. Die Verlierer beißen die Hunde. Akademiker mit bester Ausbildung bleiben auf der Strecke, müssen den Offenbarungseid leisten. Das System zeigt seine Zähne: Verdonnert zum Erfolg! Bisher ließen sich die meisten Fehlentscheidungen irgendwie kompensieren. Plötzlich darf man sich keine wirtschaftlichen Fehlentscheidungen mehr leisten. Gerecht? Aus Sicht des Ökonomen sicherlich. Aus Sicht des Verbrauchers: Er wird es erst registrieren, wenn es die Umschau nicht mehr kostenlos gibt und die Werbegeschenke etwas rarer werden und dann die Tür ganz verschlossen bleibt. Unangenehm wird es für ihn erst, wenn auch die Nachbarapotheke dem Kostendruck nicht mehr gewachsen ist. Dann bekommt er lange Wege und auch die Bestellung im Internet wird ihn das persönliche Gespräch zum Apotheker und seinen Angestellten schmerzlich vermissen lassen. Für uns Apotheker bleibt eigentlich nur die Stellschraube der Angestelltengehälter als Ultima Ratio. Wohl dem, der da noch ein paar Leute neben sich hat. Eine Zwickmühle ist der Bedarf aufgrund stetig steigender bürokratischer Anforderungen/ heilberuflicher Verpflichtungen und die Alternative der Selbstausbeutung. Die "Ein-Mann-" oder "Eine-Frau-Apotheke" gibt es ohnehin nicht. Wer sich soetwas antut, dem ist nicht mehr zu helfen. Der Schritt in die Privatinsolvenz ist dann wohl unvermeidlich. Hoffnung bleibt immer und Apotheker werden immer gefragt sein. Wir werden gebraucht in einer alternden Gesellschaft und Erfahrung ist durch nichts zu ersetzen.

  • 26.Juni 2012, 16:45Uhr
    Community Mitglied

    #1Wo bleibt die Solidaritätsbekundung der ABDA ............... !?

    >>An alle griechischen Kolleginnen und Kollegen und ihre MitarbeiterInnen:<< MEINE Solidarität sei Euch hiermit übermittelt. Ihr werdet gebraucht. Und wenn auch nicht von der Politik oder von den Kranken Kassen - dann von der Bevölkerung. Seid zuversichtlich, kreativ - und haltet durch ! Meine Gedanken sind bei Euch. Gunnar Müller / Sonnen-Apotheke / Detmold www.apothekerprotest.de