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Italien

Monti gibt Viagra und Diazepam frei

Benjamin Rohrer, 05. Dezember 2011, 16:01 Uhr

  • Diazepam aus dem Supermarkt: Die Regierung Monti will nicht erstattungsfähige Arzneimittel aus der Apothekenpflicht entlassen.Foto: APOTHEKE ADHOC
Berlin -

Knapp einen Monat im Amt, knöpft sich die Regierung des neuen italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti den Apothekenmarkt vor: Laut einem neuen Sparpaket sollen nicht erstattungsfähige, verschreibungspflichtige Arzneimittel fortan auch in OTC-Shops und großen Einkaufszentren verkauft werden können. Auch die Bedarfsplanung wird gelockert. Die Apotheker protestieren und fühlen sich hintergangen.

Dem Gesetzentwurf zufolge sollen alle Arzneimittel aus der sogenannten „Fascia-C“ aus der Apothekenpflicht entlassen werden: Dabei handelt es sich um Präparate zur Behandlung von „Krankheiten leichten Ausmaßes“, die nicht von den regionalen Gesundheitsdiensten erstattet werden. In der Liste sind etwa 3700 Präparate enthalten, darunter nicht nur Aciclovir und Lidocain, sondern auch Kontrazeptiva, Psychopharmaka wie Diazepam und Lorazepam, Sildenafil.

Für die Apotheker besonders bitter: Seit der OTC-Markt 2006 liberalisiert wurde, ist für die sogenannten Parafarmacie die Anwesenheit eines Apothekers Pflicht. Was zunächst als Hemmschwelle hatte gelten sollen, entpuppte sich als Bumerang: Mit Verweis auf die ohnehin vorhandenen pharmazeutischen Mitarbeiter lobbyieren die Betreiber seit längerem für eine Ausweitung ihre Geschäfts.

„Wir wollen diesen Markt für die Konkurrenz öffnen, um mehr Wachstum und geringere Preise für die Verbraucher zu schaffen“, sagte Italiens Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Corrado Passera, gestern bei der Vorstellung des Sparpaketes. Nur kleine Supermärkte sollen weiterhin keine Apotheker beschäftigen und damit Präparate aus der Liste-C dürfen – angeblich aus Rücksichtnahme auf die wirtschaftliche Situation der Apotheken.

Laut Passera haben Produkte der „Fascia C“ einen geringen Anteil am Gesamtumsatz der Apotheken. Das ist relativ: Pro Jahr setzen die 17.500 italienischen Apotheken mehr als drei Milliarden Euro mit Präparaten der „Fascia C“ um. In Italien werden nur lebenswichtige Medikamente erstattet; für bestimmte Arzneimittel gelten Indikationsvorgaben, außerhalb derer die Patienten selber zahlen müssen.

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apotheke adhoc Debatte 3 Kommentare

Mitdiskutieren
Community Mitglied 07. Dezember 2011, 13:20 Uhr
#3 Wenn jeder in der EU machen kann, was er will...................

................ warum sperrt sich dann die deutsche Politik immer wieder und auf's Neue mit fadenscheinigen (Verfassungs-) Argumenten dagegen, die bestehende Apotheken-Situation zu erhalten??

Lassen wir doch einmal die Bevölkerung darüber abstimmen, ob sie lieber

+ von der Apotheke-vor-Ort persönlich versorgt
oder
+ von einer Versand-"Apotheke" anonym beliefert

werden möchte..................

Community Mitglied 06. Dezember 2011, 13:05 Uhr
#2 Reif für die Klapse !

"Opium für das Volk 2.0" oder so ? Das, was manche Regierungschefs derzeit machen, ist wirklich nur noch zugedröhnt zu ertragen. So hart es klingt: Ich sehne den Tag herbei, an dem dieses kranke System kollabiert. Gehe zurück auf NULL. Damit sich endlich mal auch die Vollidioten auf das Wesentliche besinnen. UNS kann's egal sein: WIR haben gelernt, fleißig und wertschöpfend zu arbeiten, wir haben Fachwissen, wir haben eine menschliche Grundbildung. Und wenn alles am Boden ist, dann weiß ich, wem ich mein Wissen und meine Medikamente zur Verfügung stelle: Meinem Landwirt aus dem Ort, meinen Handwerkern aus der Gegend. Denen, die etwas LEISTEN (oder Zeit ihres Lebens etwas geleistet haben). Die smarten Investment-Banker und Analysten sollen ihre Wertpapiere und die arroganten Krankenkassenfunzis ihre Paragraphenwerke fressen und daran krepieren. Das ganze System ist sowas von reif für die Klapse, da hilft nicht mal mehr Olanzapin !

Community Mitglied 05. Dezember 2011, 17:02 Uhr
#1 Das EUGH-Urteil wird bald nur noch was für Historiker sein!

Die EU wird in der Finanzkrise alles liberalisieren!

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