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Großbritannien

Keine Ausnahmen für Supermarkt-Apotheken

Benjamin Rohrer, 04. November 2011, 13:38 Uhr

  • Beschränkte Freiheit: Für Supermärkte sollen künftig keine Ausnahmen mehr bei der Bedarfsplanung gelten.
Berlin -

In England könnte es für Supermärkte deutlich schwerer werden, Instore-Apotheken zu eröffnen. Das britische Gesundheitsministerium will fast alle Ausnahmen von der Bedarfsplanung aufheben. Außerdem soll die Vergabe von Zulassungen zur Abrechnung mit dem staatlichen Gesundheitsdienst NHS künftig ausgeschrieben werden.

Auf Empfehlung der britischen Wettbewerbsbehörde hatte die Regierung 2005 die Bedarfsplanung gelockert: Apotheken, die sich in außerstädtisch gelegenen Einkaufszentren oder Versorgungszentren ansiedeln oder mehr als 100 Stunden pro Woche geöffnet haben, müssen sich seitdem keiner Bedarfsprüfung mehr unterziehen. Vor allem Supermärkte haben seitdem Marktanteile gewonnen.

Mit diesen Ausnahmen soll nun Schluss sein: „Das aktuelle System stimuliert Niederlassungen in schon gut versorgten Gebieten. Viele Apotheken kosten der Versichertengemeinschaft aber viel Geld“, heißt es in dem Gesetzentwurf.

Gleichzeitig wird das Antragsverfahren komplett umgestellt: Bislang mussten Interessenten nachweisen, dass ihre Apotheke für die Arzneimittelversorgung einer Region „zweckdienlich und notwendig“ ist. Künftig untersucht der NHS regelmäßig das Versorgungsgeschehen und schreibt bei Bedarf gezielt Apothekenstandorte aus.

Den Zuschlag sollen dann Anbieter erhalten, die die Lücke besonders gut schließen: An einem Universitätsstandort könnte es beispielsweise einen erhöhten Bedarf an spezialisierten Services geben, etwa im Bereich der postkoitalen Empfängnisverhütung. In diesem Fall würde ein entsprechend qualifizierter Bewerber den Zuschlag bekommen.

In den kommenden Wochen können die betroffenen Unternehmen und Verbände beim Ministerium ihre Stellungnahmen einreichen. Die Supermarktkette Sainsbury's – mit derzeit 253 Instore-Apotheken am Markt – will die Ausnahmen verteidigen: „Natürlich sind wir extrem besorgt über die bevor stehende Gesetzesänderung. Insbesondere für Arbeitnehmer sind Apotheken, die 100 Stunden pro Woche geöffnet haben, ein wichtiger Versorgungsbestandteil“, sagt ein Konzernsprecher.

apotheke adhoc Debatte 11 Kommentare

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Community Mitglied 06. November 2011, 20:14 Uhr
@Friedemann Ahlmeyer

Ich hacke nicht auf ihnen herum. Warum sollte ich? Wie sie sicher schon gemerkt haben, habe ich ihr Engagement in mehreren Diskussionsbeiträgen ausdrücklich gelobt. Wenn ich Dinge kritisiere oder gar angreife, dann mache ich das auf sachlicher Ebene und greife niemals die Person an. Das werde ich selbstverständlich auch bei ihnen nicht tun. Man kann fundamental gegensätzlicher Meinung sein und den Gesprächspartner und seine Meinung dennoch respektieren. Das versuche ich immer zu tun, auch wenn ich mich damit oft alleine fühle (und damit meine ich ausdrücklich nicht sie). ********************* (Warum gibt es eigentlich keine Zeilenumbrüche?) Freiheit ist für mich allerdings weder unsolidarisch noch egoistisch. Ich glaube sie verwechseln da etwas Grundlegendes. Ich spende jedes Jahr mehr als 10 % meines Einkommens, nehme an Dienstprojekten teil und helfe meinen Mitmenschen gerne und regelmäßig. Da sie mich nicht persönlich kennen, versuchen sie mich bitte nicht in eine vorgefertigte Schublade zu stecken. Und wissen sie was, gerade weil ich die Freiheit des einzelnen Menschen über alles achte und respektiere muß ich auf der anderen Seite auch bereit sein, meinen mitmenschen zu helfen. Und genau das versuche ich zu tun. *********************** Unfreiheit, auf der anderen Seite, führt immer zur Entmenschlichung und zum Egoismus. Warum sollte ich mich denn um meinen Nachbarn kümmern? Er kann doch zum Amt gehen und sich Hilfe holen. Ich zahle schließlich genug Steuern. Das ist leider die Folge, wenn man glaubt, sein Leben dem Staat geben zu müssen. Denn als Gegenleistung für die verlorene Freiheit fordert man natürlich eine Versorgung durch den Staat. ******************** Ein kleines Kind kann voller Recht darauf vertrauen, daß sich seine Eltern um alle grundlegenden Dinge seines Lebens kümmern und seine Angelegenheiten regeln. Es ist ein Kind, unfrei aufgrund seines Entwicklungsstandes und sein Leben hängt von der Umsorgung durch seine Eltern ab. *************** Als erwachsender Mensch bin ich und jeder andere Mensch dieser Erde aber frei. Freiheit ist nichts, was wir uns verdienen oder erarbeiten oder erben. Freiheit ist etwas, daß uns von unserem Schöpfer gegeben wurde. Und wer nicht religiös ist, nennt es Naturrecht. Und niemand hat das Recht, einem anderen Menschen diese Freiheit zu nehmen. *************** Und da ich weder ein Sklave der Regierung bin, noch unmündig noch sonst einem menschlichen Herren unterstehe, lasse ich mir auch von diesen Gruppen nicht sagen, was ich zu essen, zu trinken, anzuziehen, zu lesen, zu kaufen oder an was ich zu glauben habe. ************** Eben gerade aus dieser Freiheit heraus, können sie gerne anderer Meinung sein. Das ist ihr gutes Recht. Aber bitte seien sie in diesem Fall dann auch so ehrlich und sagen sie deutlich, daß sie eben ihren Mitmenschen vorschreiben wollen, wie sie zu leben, was sie zu essen oder zu trinken oder zu kaufen oder nicht zu kaufen oder zu glauben oder was auch immer zu haben.

Community Mitglied 06. November 2011, 19:42 Uhr
Manchester Liberalismus schon lange überholt

@Holger Schmidt Sie haben mein letztes posting mißverstanden. Ich habe argumentiert, dass der Gesundheitsmarkt aufgrund verschiedener Faktoren überhaupt nicht die Voraussetzungen für einen freien Markt bietet. Darauf gehen Sie nicht ein. Stattdessen wieder ihr gebetmühlenhaftig vorgetragenes Credo eines egoistischen, unsolidarischen wirtschaftlichen Freiheitsbegriffes. Auf dieser Grundlage ist es müssig, weiterdiskutieren zu wollen. Da Sie mir Ihren Beruf nicht nennen möchten (aber gleichzeitig schön auf mir herumhacken aufgrund meiner Profession als Pharmazeut) vermute ich jetzt einfach mal, dass Sie tatsächlich Erstsemester in einem MBA oder BWL Studiengang sind. Bald sind Weihnachtsferien. Eine schöne Gelegenheit für Sie, die Wirtschaftsbibel beiseite zu legen und über den Tellerrand zu schauen. Sie werden neue Welten entdecken. Fangen Sie mit Kant an: "Nun ist zu manchen Geschäften, die in das Interesse des gemeinen Wesens laufen, ein gewisser Mechanism notwendig, vermittelst dessen einige Glieder des gemeinen Wesens sich bloß passiv verhalten müssen, um durch eine künstliche Einhelligkeit von der Regierung zu öffentlichen Zwecken gerichtet oder wenigstens von der Zerstörung dieser Zwecke abgehalten zu werden." (aus: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?) Capisce?

Community Mitglied 06. November 2011, 08:00 Uhr
@Friedemann Ahlmeyer

Mein Beruf ist uninteressant. Er ändert nichts an meinen Argumenten. Diskutieren sie also mit mir anhand meiner Argumente und nicht anhand irgend welcher Schubladen. Das was sie über den Markt sagen, stimmt sogar teilweise, insbesondere die Feststellung, daß der Gesundheitsmarkt in Deutschland kein freier Markt ist. Genau das bemängle ich aber in praktisch allen meinen Beiträgen. Und das ein Dritte in vielen Fällen für den Patienten bezahlt, macht es noch schlimmer. Aber meiner Ansicht nach, ist dies genau das, was die Politik will: Desto uninformierter ein Mensch ist, desto leichter ist er unfrei zu halten. Das ist übrigens ein typisches Muster, wie es sich auch in jeder Diktatur dieser Welt findet. Jede Diktatur wird sofort erst einmal den Informationsfluß kontrollieren wollen. Wenn ich bestimmte Elektrogeräte kaufen möchte, habe ich sehr wenig Ahnung davon. Ich lasse mich deshalb also entweder bei Freunden oder in Geschäften beraten und treffen dann selbst meine Kaufentscheidung. Alternativ treffe ich gleich selbst meine Kaufentscheidung und lebe mit den Konsequenzen. Und weder sie noch ein Politiker geht meine Entscheidung irgend etwas an. Wenn ich bestimmte Investmentprodukte erwerben möchte, dann habe ich davon eventuell auch kein tiefergehendes Verständnis. Also lasse ich mich beraten oder eben auch nicht. Auf jeden Fall treffe ICH dann eine Kaufentscheidung und muß mit dem Ergebnis meiner Entscheidung leben - und das kann im schlimmsten Fall den Verlust meines gesamten Vermögens bedeuten. Und weder sie noch einen Politiker geht meine Entscheidung etwas an. Es geht sie beide auch nichts an, ob ich mich überhaupt beraten lasse und wie ich meine Entscheidung treffe. Wenn zwei erwachsende Menschen aus freien Stücken einen Vertrag schließen, geht das niemanden außer diese beiden etwas an. Wenn ich zu meinem Arzt gehe, dann bezahle ich ihn hinterher. Was er und ich besprechen, geht niemanden etwas an. Wenn er und ich uns dann für eine Therapie entscheiden und ich dann das entsprechende Medikament erwerbe, dann tue ich das nach meiner eigenen Entscheidung. Weder sie noch einen Politiker geht das etwas an. Wenn Menschen (wer auch immer) glauben, sie müßten über das Leben ihrer Mitmenschen entscheiden, dann frage ich mich jedesmal, ob das größte Gesundheitsproblem in unserer Zeit heute vielleicht pathologischer Größenwahn ist. Da kann ich ja nur dankbar sein, daß ich mich bisher noch nicht angesteckt habe. Ich verspüre nämlich kein Verlangen danach, über das Leben meiner Mitmenschen bestimmen zu wollen.

Community Mitglied 06. November 2011, 06:35 Uhr
Erstemesterniveau

@Holger Schmidt Sehr geehrter Herr Schmidt, ich hatte Sie gefragt, welchen Beruf Sie ausüben, um auf Augenhöhe mit Ihnen kommunizieren zu können -leider keine Antwort. Auf meine Argumente gehen Sie auch nicht ein. Stattdessen Markttheorien auf Erstsemesterniveau. Und das auch noch falsch. Idealerweise treffen auf einem Markt informierte Marktteilnehmer autonome Entscheidungen auf rationaler Grundlage. Weiterhin ist dieser Markt atomistisch und transparent. Nichts davon trifft auf den Gesundheitsmarkt zu. Von Nachfrageseite her gesehen:Der Patient kann schon aufgrund seiner Beschwerden nicht rational (zumindest wirtschaftlich gesehen handeln), zudem bezahlt er auch nicht direkt, sondern ein Dritter. Außerdem ist der Patient nicht frei in seinen Entscheidungen und kann daüber hinaus auch gar keine rationalen Entscheidungen fällen aufgrund seines Informationsdefizites. Unter solchen Voraussetzungen bedarf es bestimmter Regularien, die volkswirtschaftlich! unter Güterabwägung von Effizienz und individuellen Bedürfnissen ein Gleichgewicht austarieren müssen. Insofern ist hier (wie auch bei natürlichen Monopolen) immer der Staat gefordert. Darüber können wir gerne diskutieren. Und dementsprechend habe ich auch bei meinen vorigen postings argumentiert. Leider weichen Sie diesbezüglich immer wieder aus. Sehr dünn, das Eis, auf dem Sie sich bewegen.

Community Mitglied 05. November 2011, 15:37 Uhr
@Friedemann Ahlmeyer

Staatliche Planwirtschaft - und das deutsche Apothekensystem ist in weiten Teilen eine reine Planwirtschaft - kann niemals effizient, kostendeckend oder bedarfsgerecht sein. Der Markt ist ja kein abstraktes Gebilde, sondern das Ergebnis von Nachfrage durch den Kunden/Patienten und dem Angebot durch den Verkäufer/Apotheker. Dabei findet auf dem Markt immer eine ideale Preisbildung als Schnittmenge aus Angebot und Nachfrage statt. Oder konkreter: Medikamente, die oft nachgefragt werden und auch reichlich vorhanden sind, sind billig. Medikamente, die kaum Nachfrage haben und/oder nur in geringer Menge vorhanden sind, sind teuer. Teure Produkte haben allerdings dann oft auch eine hohe Marge. Die wiederum ruft alternative Anbieter oder Lieferanten auf den Markt, die ihrerseits davon profitieren wollen, wodurch sich das Angebot wieder vergrößert und der Preis wieder sinkt. Aber ich will hier keinen Grundkurs Volkswirtschaftslehre geben. Kein Staat und kein staatlicher Bürokrat kann dieses System auch nur ansatzweise ersetzen. Daß das deutsche Apothekensystem vielleicht leistungsfähiger als das englische ist, glaube ich. Die Regulierung dort ist eben noch schlimmer. Und daß angeblich zerschlagene Strukturen sich nicht reparieren lassen, ist natürlich schlicht falsch. Der Markt wird bei entsprechender Nachfrage immer auch relativ zeitnah Angebote bereithalten. Aber natürlich kann der Staat einen Apotheker zwingen, auch Medikamente vorzuhalten, die einmal im Jahr nachgefragt werden. Wenn er dann auch noch den Preis bzw. die Marge vorschreibt - wie im Fall von RX-Medikamenten in Deutschland - dann bezahlen solche Unsinnigkeiten dann eben alle Kunden, denn der Apotheker holt sich den entgangenen Gewinn an anderer Stelle wieder rein - was auch vollkommen in Ordnung ist. Noch eins zur Finanzkrise: Der Bankensektor war schon immer einer stärksten regulierten Wirtschaftszweige. In den USA wurden Banken durch den Staat gezwungen, Hypotheken an Leute zu vergeben, die normalerweise niemals einen Kredit bekommen hätten. Das Ergebnis kennen wir. Die größten Geldvernichter waren in Deutschland übrigens staatliche Banken - die direkt dem land oder dem Bund unterstehen. Und in einer Marktwirtschaft hätte man die Banken, die sich verzockt haben, pleitegehen lassen. Der Markt trennt die Schlechten von den Guten. Aber nein, unsere Politik meinte ja, uns unser Eigentum rauben zu dürfen und es den Banken geben zu müssen. Auf das sie auch ja nicht für ihre Fehler bezahlen müssen. In einer Marktwirtschaft hätte es diese Finanzkrise niemals gegeben bzw. sie wäre längst schon wieder vergessen.

Community Mitglied 05. November 2011, 13:36 Uhr
Weggebrochene Strukturen kann niemand reparieren

@ Holger Schmidt Rein fachlich: Eine Blasenentzündung ist immer, auch im Anfangsstadium eine ernsthafte, gesundheitsgefährdende Sache. Ausser Phytos und Verhaltensmaßnahmen bleibt nur noch eine Antibiose. Wenn man diese vermeiden kann, ist dies sehr positiv. Insofern handelt es sich nicht um Sonderwünsche meiner Frau. Weiterhin sind die Strukturen in England augenscheinlich dermassen schlecht, dass sich dieses Problem gegen 100 Pfund hätte lösen lassen. Es gibt halt keine zeitnahe Belieferung durch den GH, zudem hat dieser entsprechende Mittal augenscheinlich nicht vorrätig. Im Kostenvergleich: In jeder deutschen Apotheke hätte meine Frau für einen Betrag unter 20 € eine adäquate Versorgung spätestens innerhalb von 3 Stunden erhalten. Wie Sie vielleicht merken: Das deutsche Apothekensystem ist nicht nur in diesem Fall für den einzelnen leistungsfähiger und kostengünstiger, es ist auch volkswirtschaftlich effektiver. Denn wenn z.B. nur in jedem 3. Fall eine Antibiose mit entsprechenden Kosten für den Arztbesuch und dem Arbeitsausfall durch sofortige Massnahmen in einer Apotheke verhindert werden, spart das System mehr Geld als die Kosten für die Apotheken betragen. Das ist wirtschaftliche Effizienz. Sind solche Strukturen aber einmal aufgrund der von Ihnen an dieser und anderer Stellen vorgeschlagenen Massnahmen zerschlagen, lassen sie sich nicht mehr reparieren. An Ihren Ausführungen Herr Schmidt fällt mir ein gegenüber jeglichen gesundheitlichen, sozialen und volkswirtschaftlichen Folgen blindes Marktverständnis auf. Ich z.B. würde statt von staatlichen Repressalien von Regularien sprechen. Dem Bankensektor hat der Wegfall vieler Regularien überhaupt nicht gutgetan, uns Steuerzahlern auch nicht! Allerdings haben sich einige unter dem Deckmäntelchen der wirtschaftlichen Freiheit auf Kosten anderer bereichert. Denn die öffentlichen Schulden aufgrung der Bankenkrise sind ja auf irgendwelchen Konten gelandet. Woher kommt ihr Verständnis? Nur mal so aus Neugier, damit wir vor dem gleichen Hintergrund diskutieren: Was machen Sie denn beruflich?

Community Mitglied 05. November 2011, 07:36 Uhr
@Friedemann Ahlmeyer

Der englische Apothekenmarkt ist - wie sie ja selbst schreiben - noch stärkeren staatlichen Repressionen ausgesetzt als der hiesige. Eines der Ergebnisse beschreiben sie ja ganz wunderbar. Aber ganz unabhängig davon: Wenn ich bestimmte, selten nachgefragte Lebensmittel kaufen will, muß ich halt rumfahren und ein Geschäft suchen, daß diese führt oder eben versuchen, sie online zu bestellen. Das erfordert unter Umständen einige Rennerei und Ärger. Wenn ihre Frau ihre Blasenentzündung auf eine ganz bestimmte Weise behandeln wollte - mit pflanzlichen Tees und Zubereitungen - und dann Zutaten braucht, die nur sehr wenig nachgefragt werden, dann muß sie eben auch länger danach suchen oder auf alternative Mittel ausweichen. Vermutlich ist die Phytotherapie in England weit weniger beliebt als in Deutschland. Folglich sind die notwendigen Drogen dafür auch schwerer zu bekommen. Ihre Frau hatte selbstverständlich viele alternative Möglichkeiten für die Behandlung ihrer Blasenentzündung zur Verfügung. Ihre Gesundheit bzw. Gesundung war zu keinem Zeitpunkt in irgendeiner Art oder Weise gefährdet. Alternativ hätte ihre Frau natürlich auch gerne £100 auf den Tisch legen. Wenn dem Apotheker diese Summe den Aufwand für die Besorgung der für britische Verhältnisse offenbar exotischen Drogen gerechtfertigt hätte, wäre er bestimmt gerne tätig geworden. Beim Herbal Shop dasselbe: Warum sollte der sich "exotische Kräuter" in den Keller legen, weil EVENTUELL einmal im Jahr ihre Frau diese nachfragt? Wenn der Unternehmer das täte, würde ihre Frau £900 pro Gramm dafür zahlen müssen. Hätte sie das wollen? Die Alternative wäre gewesen, alle anderen Kunden zwangsweise für die Wünsche ihrer Frau zahlen zu lassen. Möchte sie das?

Community Mitglied 04. November 2011, 22:48 Uhr
Erfahrungsbericht zu England

Zunächst einmal war England schon immer in Bezug auf eine Apothekeneröffnung strenger geregelt als Deutschland. Während hier jeder!, der die beruflichen Anforderungen erfüllt und ein entsprechendes Führungszeugnis hat, überall! wo er möchte eine Apotheke eröffnen kann, war ihm dies in England nicht möglich. Einzige Ausnahme: Mehr als 100 Öffnungsstunden pro Woche. Und diese Ausnahme hat die britische Regierung gekippt - mehr nicht. War übrigens dieses Jahr über Ostern in Brixham, Vermieter des Ferienhauses war ein angestellter Apotheker. Dieser erzählte mir, dass er vorher für eine namhafte Apothekenkette im Raum London gearbeitet habe. Super Verdienst, aber immenser Verkaufsdruck. Und jeden Monat wurde auf seine Zahlen geschaut. Big Business halt. Aber auf Dauer wolle er sein Gewissen nicht mehr verbiegen. Seit ein paar Jahren arbeitet er in einer kleinen Kette (4 Filialen) in Brixham. Deutlich angenehmer für ihn und wie er meint besser für die Kunden. Als meine Frau eine beginnende Cystitis bekam, sucht wir seine pharmacy auf. Bei sämtlichen Phytos und Tees Fehlanzeige. Beschaffung nicht möglich. Lediglich ein Antibiotikum könne er uns geben, allerdings natürlich nur auf Rezept. Er verwies auf einen herbal shop. Da gabs dann alles mögliche, aber leider keine Goldrute und keine Bärentraubenblätter. Aber in Torquay 30 meilen entfernt könnten wir es gerne versuchen. Haben dann irgendwoher zumindest Brennesselblättertee besorgen können und zusammen mit entsprechenden Verhaltensmaßnahmen hat es meine Frau, übrigens selber Apothekerin, dann ohne Antibiose hingekriegt. Lieber Herr Schmidt. Wir haben schon an anderer Stelle diskutiert. Packen Sie doch einmal ihre Ideologie von freier Marktwirtschaft und Unternehmertun weg und denken darüber nach, was wirklich zählt. Ich jedenfalls habe keine Lust auf englische Zustände in Deutschland, und habe zudem auch keine Lust, über das Solidarsystem unnötige Arztbesuche zu bezahlen.

Community Mitglied 04. November 2011, 20:48 Uhr
?

Bei wem? Für was? Eine staatliche Planwirtschaft (Medizin, allgemeine Wirtschaft, Apotheken usw.) geht immer den Bach runter. Wir sehen hier ja nur die Spitze des Eisbergs.

Community Mitglied 04. November 2011, 20:23 Uhr
Das "liberale" England!

War das nicht immer das Vorzeigemodell?

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