Der Wahn des Großkunden
Es ist das Mantra des Großkunden: Die Krankenkassen wollen ihren alten Apothekenabschlag von 2,30 Euro zurück. Mit dieser Maximalforderung geht der GKV-Spitzenverband in jede politische Debatte. Neu... Mehr
Janina Rauers, 27. September 2010, 09:29 Uhr
Österreichs Apotheker fühlen sich bei der Selbstmedikation gegenüber ihren ausländischen Kollegen benachteiligt. Weil beispielsweise das Spasmalytikum Buscopan in Österreich verschreibungspflichtig, in Deutschland dagegen rezeptfrei erhältlich ist, regen die Pharmazeuten einen weitreichende Änderung an: Welche Arzneimittel rezeptpflichtig sind, soll demnach EU-weit harmonisiert werden.
Eigentlich sind die österreichischen Pharmazeuten gegen eine Einmischung aus Brüssel; immerhin ist auch das Vertragsverletzungsverfahren der EU-Kommission zum österreichischen Fremdbesitzverbot sowie zu den bestehenden Niederlassungsbeschränkungen nach wie vor nicht vom Tisch. Doch bei der Rezeptpflicht könnten sich die Apotheker offenbar durchaus vorstellen, dass die Behörde aktiv wird: Ärzte, Pharmakologen und EU-Kommission müssten gemeinsam festlegen, welche Wirkstoffe nur auf Rezept erhältlich sind und welche nicht, sagte ein Sprecher des österreichischen Apothekerverbandes gegenüber APOTHEKE ADHOC.
Die Forderung ist einigermaßen brisant: Der Diskussion über eine EU-Rezeptpflicht könnte schnell eine Debatte über eine Harmonisierung der Apothekenpflicht folgen. In den vergangenen Jahren hatten einige EU-Länder die Abgabevorschriften für bestimmte OTC-Medikamente gelockert - mit teilweise widersprüchlichem Erfolg.
Hintergrund für den Vorstoß der österreichischen Apotheker ist die seit Jahren andauernde Auseinandersetzung mit den Ärzten. Die Pharmazeuten würden gerne mehr Verantwortung bei der Behandlung kleinerer Befindlichkeitsstörungen übernehmen und haben eine Studie zu den Einsparmöglichkeiten vorgelegt. „Man muss nicht wegen jeder Bagatelle eine Klinik oder wegen jedem Schnupfen sofort einen Arzt aufsuchen“, sagte der Präsident des Apothekerverbandes Dr. Friedemann Bachleitner-Hofmann. Apotheker seien in der Lage, einen leichten Schnupfen oder Husten richtig zu behandeln. Die Ärzte wollen dagegen nichts von ihrer Kompetenz abgeben.
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