Der Wahn des Großkunden
Es ist das Mantra des Großkunden: Die Krankenkassen wollen ihren alten Apothekenabschlag von 2,30 Euro zurück. Mit dieser Maximalforderung geht der GKV-Spitzenverband in jede politische Debatte. Neu... Mehr
Janina Rauers, 03. Mai 2010, 15:21 Uhr
Griechenland spart. Um die Auflagen der Euro-Staaten und des Internationalen Währungsfonds (IWF) für die Kredite von bis zu 110 Milliarden Euro zu erfüllen, wird auch bei Pharmaherstellern, Großhändlern und Apotheken der Rotstift angesetzt. In aller Eile hat die Regierung unter Ministerpräsident Georgios Papandreou Maßnahmen beschlossen. Ab heute gelten neue Medikamentenpreise.
Die Regierung hat die Arzneimittelpreise um ein Viertel gesenkt. Apotheker, Großhändler und Hersteller sind gleichermaßen betroffen. Medienberichten zufolge sollen so 1 Milliarde Euro eingespart werden - das sind 10 Prozent der Arzneimittelausgaben des vergangenen Jahres in Höhe von 9,5 Milliarden Euro.
Die ersten Hersteller drohen bereits mit einem Lieferstopp, internationale Pharmakonzerne haben die Schließung ihrer griechischen Niederlassungen angekündigt. Auch die rund 9300 griechischen Apotheker sind sauer, da ihre Marge ohne Übergangsregelung um 20 bis 27 Prozent gekürzt wurde. „Es ist unfair“, ärgert sich ein Pharmazeut auf Kreta. Er warnt zudem: Mit den niedrigen Medikamentenpreisen setze die Regierung die Versorgung der Bevölkerung aufs Spiel. „Patienten werden in den Apotheken bald keine Medikamente mehr bekommen: Die Regale werden leer sein“, so der Apotheker gegenüber APOTHEKE ADHOC.
Auch die 150 Großhändler fühlen sich von der Regierung überrollt und sehen ihre Existenz bedroht. Sie sind gleich doppelt von den Sparmaßnahmen betroffen: Die Großhandelsspanne sinkt gestaffelt nach Medikamentenpreisen ebenfalls um bis zu 27 Prozent. Zudem schließt die Regierung die bisherigen Vollsortimenter von hochpreisigen Medikamenten aus. Rund 90 Präparate ab 1000 Euro müssen sie aus ihrem Angebot nehmen.
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