Der Wahn des Großkunden
Es ist das Mantra des Großkunden: Die Krankenkassen wollen ihren alten Apothekenabschlag von 2,30 Euro zurück. Mit dieser Maximalforderung geht der GKV-Spitzenverband in jede politische Debatte. Neu... Mehr
Benjamin Rohrer, 27. Oktober 2010, 09:55 Uhr
Der Dauerstreit um die ärztliche Selbstdispensation in der Schweiz droht zur Systemfrage zu werden. Weil die Apotheker ihnen vorwerfen, an den eigenen Rezepten zu verdienen, wollen sich die Mediziner jetzt aus der Schusslinie bringen und nur noch für die pharmazeutische Beratung bezahlen lassen. Lagerung und Abgabe der Arzneimittel wollen die Ärzte an externe Dienstleister delegieren - an den Pharmagroßhandel.
Die Schweizer Ärztegesellschaft (FMH) hat ein Konzept entwickelt, nach dem dispensierende Ärzte die Abwicklung der Selbstdispensation abtreten. „Die Grossisten würden die Verantwortung und Bewirtschaftung der Lager übernehmen“, erklärte ein FMH-Sprecher auf Nachfrage. Nach Informationen des Krankenkassenverbandes Santésuisse sollen die Logistikpartner die Arzneimittel sogar direkt an die Patienten versenden und auch die Abrechnung mit den Krankenkassen übernehmen.
Im Gegenzug sollen die Großhändler die Vertriebsmarge erhalten, die bislang dem Arzt für die Abgabe der Medikamente zusteht. Die Mediziner sollen nur noch eine Pauschale für die pharmazeutische Beratung erhalten. „Dann könnte den Ärzten keiner mehr Vorwürfe wegen vermeintlicher Fehlanreize machen“, so der FMH-Sprecher.
Nach den Vorstellungen der FMH soll das Modell für alle Kantone gelten, in denen die Selbstdispensation erlaubt ist. Aktuell dürfen Ärzte in 17 Kantonen Arzneimittel abgeben, in neun Kantonen ist die Selbstdispensation verboten. Den 1700 schweizerischen Apotheken stehen rund 3800 Praxisapotheken gegenüber. Laut IMS Health wurden im vergangenen Jahr in den Arztpraxen Arzneimittel im Wert von rund 1,2 Milliarden Franken zu Herstellerabgabepreisen abgegeben, in den Apotheken von rund 2,5 Milliarden Franken.
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