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Österreich

Ärzte trauen Apothekern nicht

Désirée Kietzmann, 06. Februar 2009, 15:26 Uhr

  • Speichern erlaubt: Nach Ansicht der österreichischen Ärztekammer dürfen Apotheker zwar die Arzneimittel der Patienten erfassen, der Interaktionscheck ist jedoch Arztsache.
Berlin -

Während viele deutsche Ärzte weiterhin Vorbehalte gegen die elektronische Gesundheitskarte (eGK) haben, stehen Mediziner in Österreich der Einführung einer E-Card inzwischen aufgeschlossener gegenüber. Die E-Medikation über die E-Card müsse „jetzt möglichst rasch“ angegangen werden, sagte der Präsident der österreichischen Ärztekammer, Dr. Walter Dorner, in einem Interview mit den „Salzburger Nachrichten (SN)“.

Der Apotheker solle sowohl die verschreibungspflichtigen als auch die rezeptfreien Medikamente bei der Abgabe auf der E-Card speichern, sagte Dorner den „SN“. Ob dieser Ansatzes umsetzbar ist, ist jedoch fraglich. Denn aus datenschutzrechlichen Gründen darf auf einer Karte selbst nichts gespeichert werden. Vielmehr könnte die Karte als Schlüssel den Zugang zu einer Datenbank ermöglichen, in der alle Arzneimittel eines Patienten abgelegt sind.

„Dies entspricht dem Modell, das die Apotheker mit dem Arzneimittelsicherheitsgurt bereits erfolgreich praktizieren“, sagte ein Sprecher der österreichischen Apothekerkammer (ÖAK) gegenüber APOTHEKE ADHOC. Die Ärzte seien herzlich einladen, bei dem Projekt mitzumachen, hieß es bei der ÖAK. Da alle österreichischen Apotheken seit Januar 2005 ihre Rezepte elektronisch über ein zentrales Rechenzentrum abrechnen, können die Daten apothekenübergreifend zur Überprüfung von Interaktionen genutzt werden. Den Zugang ermöglicht die von den Apothekern entwickelte E-Card.

Ob sich die Ärzte jedoch tatsächlich dem Projekt der Apotheker anschließen ist fraglich. Die Mediziner sehen die Überprüfung möglicher Wechselwirkungen offenbar nicht beim Apotheker: „Die Medikation muss in der Hand des Arztes liegen“, sagte ein Sprecher der österreichischen Ärztekammer gegenüber APOTHEKE ADHOC. Da er den Interaktionscheck durchführen müsse, sollten alle Arzneimittelinformationen bei ihm zusammenlaufen.

Die Fragen der E-Medikation seien Gegenstand gegenwärtiger Verhandlungen zwischen den Krankenkassen und der Ärztekammer, sagte der Sprecher. Apotheker sind an diesen Gesprächen nicht beteiligt. Zur Umsetzung des Gesamtprojektes E-Medikation werde man die Apotheker allerdings mit an den Tisch holen: „Ohne Apotheker geht es gar nicht“, hieß es. Einen genauen Terminplan gibt es derzeit nicht, die Realisierung solle allerdings noch in diesem Jahr beginnen.

Der Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs, Pharmig, begrüßte die Äußerungen Dorners zur E-Medikation: „Die Pharmig unterstützt seit langem das Projekt des Arzneimittelsicherheitsgurtes unter der Voraussetzung, dass die Ärzte mit eingebunden werden“, teilte Pharmig Generalsekretär Jan Oliver Huber mit. Nur so könne sichergestellt werden, dass der verordnende Arzt jederzeit in der Lage sei, die gesamte medizinische Therapie des Patienten zu begleiten und notfalls korrigierend einzugreifen.

Im Jahr 2007 hatten 71 Apotheken in Salzburg mit mehr als 9.200 Patienten an dem Projekt Arzneimittelsicherheitgurt teilgenommen. Nach Angaben der ÖAK sind im einjährigen Beobachtungsraum mehr als 26.000 relevante arzneimittelbezogene Probleme aufgetreten. Die Ausweitung auf alle 1220 öffentlichen Apotheken und die 50 Krankenhausapotheken war angedacht. Das Konzept sollte in der Gesundheitsreform verankert werden, an deren Scheitern im vergangene Jahr die rot-schwarze Regierungskoalition zerbracht. Ein Termin mit dem neuen Gesundheitsminister sei bereits vereinbart, sagt der ÖAK-Präsident.

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