Der Wahn des Großkunden
Es ist das Mantra des Großkunden: Die Krankenkassen wollen ihren alten Apothekenabschlag von 2,30 Euro zurück. Mit dieser Maximalforderung geht der GKV-Spitzenverband in jede politische Debatte. Neu... Mehr
Alexander Müller, 22. Dezember 2011, 11:12 Uhr
Die Schiedsstelle hatte den Abschlag Ende 2009 auf 1,75 Euro festgesetzt. Dagegen hatte der GKV-Spitzenverband geklagt. Im Eilverfahren hatte das Landessozialgericht Berlin-Brandenburg (LSG) im Mai 2010 die sofortige Vollziehung des Schiedsspruchs angeordnet. Die Kassen hatten damals von den Apothekenrechenzentren weitere Daten zur Rückabwicklung der im Jahr 2009 zu viel gezahlten Abschläge verlangt.
Bellinger zufolge wurden die Informationen in den meisten Fällen bereits im Mai 2010 geliefert. Demnach hätten die Kassen ihre Rechnungen spätestens bis Ende Juni begleichen müssen. Denn laut Sozialgesetzbuch bestehe ein Anspruch auf den Kassenabschlag nur dann, wenn die Rechnung innerhalb von zehn Tagen bezahlt werde, argumentiert der Steuerberater. Tatsächlich seien die Erstattungen erst im Zeitraum Juli bis September 2010 häppchenweise erfolgt. Auch für 2010 sei bislang nur rund die Hälfte der fälligen Beträge ausgezahlt.
Bellingers Rechnung geht so: Für jede abgegebene Packung müssten die Kassen den zu spät beglichenen Betrag von 55 Cent nachzahlen – das ist die Differenz aus dem alten und dem neuen Abschlag. Bei durchschnittlich 28.000 Rx-Packungen im Jahr 2009 macht das 15.400 Euro pro Apotheke. Weil die Kassen auch in den ersten Monaten 2010 noch mit einem Abschlag von 2,30 Euro gerechnet hatten, könnten noch rund 8000 Euro pro Apotheke hinzukommen, hat Apo-Audit ausgerechnet.
Die Steuerberater um Bellinger berufen sich auch auf ein Urteil des LSG Hamburg aus dem Juli dieses Jahres. Demnach müssen Apotheken bei unberechtigten Retaxationen keinen Kassenabschlag zahlen, weil die Kasse ihre Rechnung zu spät beglichen hat. Der Fall liegt jetzt beim Bundessozialgericht.
Vor Gericht will auch Bellinger notfalls ziehen. „Die in der Apo-Audit vernetzten Kanzleien werden in den nächsten Wochen beginnen, mit ihren Mandanten die Ansprüche bei den Kassen geltend zu machen und notfalls auszuklagen“, kündigte der Fachanwalt für Steuerrecht an. Die zwölf in der Gesellschaft zusammengeschlossenen Kanzlein vertreten nach eigenen Angaben bundesweit rund 800 Apotheken.
apotheke adhoc Debatte 17 Kommentare
Mitdiskutieren#17 *****
fünf von fünf punkten
#16 zu 10+11
Habe bisher noch nicht gehört, dass sich die freie Apothekerschaft auf´s
politische Parkett bewegt. Oder bin ich falsch informiert.
Was glauben Sie, wer mit den APO´s verhandelt wenn wir mehr als eine Vertretung haben.
#15 Apo Audit
Wer will kann man ja ´mal googlen
#14 Ich will...
... auch mitklagen.
Hoffentlich liest hier jemand von Apo-Audit mit.
#13 ich schliesse mich #5 an
was muss ich tun, damit ich als nicht apo audit kunde ebenfalls etwas "zu weihnachten verschenken" kann?
eine solche gelegenheit kann und darf kein apotheker verstreichen lassen!!
bitte klärt mich auf!
#12 @2
Warum das einzelne Kollegen oder die FA machen müssen - genau das frage ich mich schon seit Monaten! Aber ständig irgenwelche Pressemitteilungen über die Förderung des Behindertensports rauszuschicken scheint denen mehr Spaß zu machen. Oder weniger Arbeit.
P.S. Ich habe nichts gegen Behindertensportförderung, aber ich denke die ABDA hätte im Moment weit wichtigeres zu tun!
#11 @10
Kann ich nur bestätigen! ich lebe seit fast 10 Jahren gut ohne den LAV und das einzige, was ich bedaure, ist daß man nur einmal austreten kann!
Man kann auch auch mal beim Apothekenforum http://de.groups.yahoo.com/group/apothekenforum/
reinschnuppern, für 4 € /Monat gibts dort Infos und echte Hife von Kollegen. Schneller und meist auch viel hilfreicher als von irgendwelchen schwerfälligen Verbänden.
Die FA ist auch Mitglied in einem Wettbewerbschutzverein (Abmahnungen!) und hat grade ein Rechtsgutachten zu den fragwürdigen Retaxen in Auftrag gegeben. Und mit ein paar Aktiven mehr könnten wir noch viel effektiver arbeiten.
#10 zu 8: Den Verein gibt es seit fast 2 Jahren
www.freie-apothekerschaft.de
nur 200 EUR Jahresbeitrag. tritt man aus dem LAV aus, ist es e in gewaltiger Gewinn.....aber nicht nur dann !!!
#9 es gibt nur einen weg...
21.000 apotheken müssen die kassen mit klagen überschütten. also, info an den steuerberater und klagen. jede kasse retaxiert die apotheken, wenn ein rezept 1 tag außerhalb der gültigkeit. hier ist die gelegenheit.
#8 Das könnte der Beginn einer neuen Denkweise sein
Lange schon bete ich dafür, dass endlich die Angriffswelle von uns aus geht. Lange habe ich schon gesehen, dass die ABDA reine Politiker sind, die sich gegenseitig kein Auge aushacken....
Die Retaxstellen anzugreifen ist ein erster guter Schritt.
Als nächstes müssten wir Apotheker auch Krankenkassen empfehlen! Je nach Leistung wird empfohlen. Da die Techniker heute schon einige Leistungen der Apotheke abgezogen haben, würde ich sie an letzte Stelle setzen, sowie auch alle anderen Krankenkassen, die ausländische Versandapotheken empfehlen!
Wir müssen agieren und nicht reagieren.....
Dazu brauchen wir aber einen Verband, der nicht mehr an Berlin interessiert ist, sondern an uns Apothekern, die sie ja auch vertreten!
Wer will gründen? ;)