Randnotiz : Doping mit Ulle
Mutig, mutig: Der Hersteller Dr. Kurt Wolff lässt sein Anti-Haarausfall-Shampoo Alpecin künftig von Jan Ullrich bewerben. Der Ex-Radprofi hat laut dem Handelsblatt einen Dreijahresvertrag... Mehr
Benjamin Rohrer, 01. September 2010, 13:52 Uhr
Das Erscheinungsbild der Offizin verändert sich: Immer mehr Freiwahl-Artikel werden offen im Verkaufsraum angeboten. Hochwertige Kosmetika, Nahrungsergänzungsmittel und Mundpflegeprodukte gehören zum festen Bestandteil der Freiwahl. Apotheken rücken damit immer häufiger ins Visier von Ladendieben.
„Gerade für Kosmetika gibt es einen Schwarzmarkt. Da die Pflegemittel klein und teuer sind, lassen sie sich leicht entwenden und auf Flohmärkten sehr gut zu günstigeren Preisen wieder verkaufen“, erklärt Frank Horst, Autor einer Studie des Einzelhandelsinstitutes EHI zum Thema Inventurdifferenzen. Zwar gebe es für Apotheken keine detaillierten Zahlen. Horst zufolge sind aber 80 Prozent der Drogeriemarktbetreiber der Meinung, dass dekorative und pflegende Kosmetika die am häufigsten gestohlenen Artikel sind.
„Im spezialisierten Einzelhandel handelt es sich immer häufiger um Diebstahl auf Bestellung“, sagt ein Sprecher des Ergo-Versicherungskonzerns, der Apothekern eine Einbruchdiebstahl-Versicherung anbietet. Die Diebe selbst seien nur Handlanger für Banden, die gestohlene Kosmetika ins Ausland schafften, um sie dort zu verkaufen. Ladendiebstähle und Einbrüche in Apotheken befänden sich „auf einem konstant hohem Niveau“.
Eine Apothekerin aus dem Berliner Stadtteil Neukölln schildert das organisierte Vorgehen der Diebe: „Oft wird man abgelenkt, so dass man die Freiwahl kurz aus den Augen verliert. Und auf einmal fehlen mehrere Kosmetik-Packungen. Manchmal merken wir erst abends, dass unsere Kosmetikregale komplett leer geräumt wurden.“ Als Schutz füllt die Apothekerin mittlerweile alle Kosmetika-Packungen mit einem Wert über 15 Euro mit Steinen auf.
Eine technologische Alternative zu den Steinen sind Videoüberwachungssysteme. Die Firma „1000eyes“ etwa bietet einen Service an, bei dem die Aufnahmen der Kameras direkt ins Internet übertragen und auf einem zentralen Server gespeichert werden. Der Apotheker kann so von einem beliebigen Computer aus verfolgen, ob sich jemand an der Freiwahl zu schaffen macht.
Zusätzlich bietet das System Schutz vor Einbrüchen: Mit Hilfe eines Bewegungssensors wird der Apotheker automatisch per SMS unterrichtet, wenn sich nachts etwas in der Apotheke bewegt. Vorteil dieses Systems ist der Preis: Der Zugriff auf den Server kostet zwischen 90 und 150 Euro im Jahr, geeignete Netzwerkkameras mit integriertem Bewegungsmeldern sind zwischen 160 und 400 Euro zu haben.
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