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Arzneimittelausgaben

Selbstmedikation „finanziert“ Apotheken

APOTHEKE ADHOC, 21. März 2011, 13:41 Uhr

  • Erste Anlaufstelle: Jeder zweite Kunde, der OTC-Arzneimittel kauft, war vorher nicht beim Arzt.Foto: Marcus Witte
Berlin -

Mit dem Geld, das die Kassen durch die Selbstmedikation alleine für Arztbesuche sparen, kann das Honorar der Apotheken bei der Abgabe von Rx-Arzneimitteln komplett finanziert werden. Zu diesem Rechenergebnis kommt das „Institut für Handelsforschung“ (IfH). Im Auftrag der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg hatte das Kölner Marktforschungs- und -beratungsunternehmen im Februar 1000 Verbraucher zur Selbstmedikation befragt. Demnach ersetzt jede fünfte Selbstmedikationsanfrage in der Apotheke einen Arztbesuch.

Dies betrifft nach Berechnungen des IfH deutschlandweit rund 313.000 Patienten täglich. Unter der Annahme, dass ein Arztbesuch wie im Barmer-Report ausgewiesen 56,01 Euro kostet, kommt das IfH auf eine Summe von 4,2 Milliarden Euro, die die Krankenkassen durch weniger Arztbesuche jährlich einsparen. Dies entspricht ziemlich genau dem Betrag, den die Kassen jährlich für das Honorar der Apotheken ausgeben.

Bei einer im Sommer 2010 durchgeführten Umfrage der Apothekerkammer hatte sogar jeder zweite OTC-Kunde zuvor keinen Arzt konsultiert. 56,8 Prozent aller Kunden kommen in die Apotheke, um ein OTC-Arzneimittel zu kaufen; knapp zwei Drittel der Anfragen stammt dabei von Frauen. Sieben von zehn Kunden fragten nach einem konkreten Produkt, 30 Prozent schilderten lediglich ihre Symptome. Bei der Umfrage hatten 564 Apotheken mehr als 46.000 Kundenkontakte protokolliert.

Die Apotheker bewerteten neun von zehn Anfragen als für die Selbstmedikation geeignet. Abgelehnt wurde der Wunsch nach einem OTC-Präparat wegen Arzneimittelinteraktionen, Doppelmedikation, Kontraindikationen, Missbrauch oder weil die eigenverantwortliche Behandlung generell als ungeeignet beurteilt wurde. Mehr als die Hälfte der Patienten, deren Wunsch nach einem OTC-Präparat nicht erfüllt wurde, wurde von den Apothekenmitarbeitern zum Arzt geschickt. Bei jedem zehnten für die eigenständige Therapie nicht geeigneten Fall empfahlen die Apotheker eine nicht-medikamentöse Therapie.

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