Der Wahn des Großkunden
Es ist das Mantra des Großkunden: Die Krankenkassen wollen ihren alten Apothekenabschlag von 2,30 Euro zurück. Mit dieser Maximalforderung geht der GKV-Spitzenverband in jede politische Debatte. Neu... Mehr
Janina Rauers, 12. April 2011, 10:21 Uhr
Die Versorgung von Pflegeheimen ändert sich: Die Konkurrenz zwischen Apotheken wächst - vor allem in den Städten. Weil Preiswettbewerb nur eingeschränkt möglich ist, wird bei der Qualität aufgestockt. Die Pflegeheime werden immer anspruchsvoller: Der Bundesverband klinik- und heimversorgender Apotheker (BVKA) beobachtet, dass vor allem große Heime Arzneimittel von Apotheken stellen oder verblistern lassen.
„Zum einen findet man das bei Trägern, die bundesweit überregional aufgestellt sind“, sagt Detlef Steinweg, stellvertretender Vorsitzender des BVKA. In diesen Fällen habe eine Geschäftsführung die Entscheidung getroffen und fordere die Einhaltung von allen Häusern - auch, um ein einheitliches Qualitätsmanagement sicherstellen zu können. „Sie finden das aber auch bei privaten, kirchlichen und städtischen Trägern“, so Steinweg.
Inzwischen stellt nach Schätzungen des BVKA jedes vierte Heim in Deutschland nicht mehr selbst, Tendenz steigend. Nicht immer bieten Apotheken die Dienstleistung von sich aus an, mitunter wird sie von den Heimen eingefordert. „Wenn das Heim Arzneimittel verblistert haben will, steht der Apotheker vor der Wahl: verblistern oder die Heimversorgung aufgeben“, sagt Steinweg. Dann stelle sich die Frage, ob der Apotheker das Verblistern honoriert bekomme.
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apotheke adhoc Debatte 3 Kommentare
MitdiskutierenArmer Herr Steinweg
Vor wenigen Jahren war ich als "Gasthörer" Teilnehmer einer von Herrn Steinweg organisierten Veranstaltung.
Dort wurde den eingeladenen Pflegeheimen eine Verblisterung stark empfohlen. Grund: Initiator Steinweg hatte sich kurz vorher eine Verblisterungsmaschine angeschafft, die nun natürlich ausgelastet werden musste.
Das war allerdings noch zu Zeiten, als es nennenswerte Rabatte im RX-Bereich gab. Von einer kostendeckenden Honorierung für diese Dienstleistung war damals keine Rede seitens Herrn Steinwegs.
Und jetzt entdeckt Herrn Steinweg auf einmal, dass mit der Pflegeheimversorgung kein Geld mehr zu verdienen ist - mir kommen die Tränen!
Schon damals sprachen nach meinem Erachten gute Gründe gegen die Verblisterung: Was ist mit Liquida? Wer übernimmt die Haftung? Wie ist gewährleistet, dass die blisternde Apotheke zuverlässig! über Dosierplanänderungen informiert wird?
Insgesamt: Blistern rechnet sich nicht und ist deutlich fehlerträchtiger als die herkömmliche Versorgung.
Heimversorgung ist unrentabel
erst kürzlich mussten wir unseren Service für ein Pflegeheim aus finanziellen Gründen abstufen. Verblistern für um die 50 Patienten plus Dokumentation bei einer jährlichen Honorierung die ein 400 Euro Jobber in etwas mehr als 3 Monaten erwirtschaftet ist meine Zeit nicht wert.
Selbst Kollegen die ausschließlich Heime belieferen kriegen kaum Gewinn. In der letzten großen Umfrage sagten 70% der Kollegen es lohnt sich einfach nicht.
Verblistern ist aber im pharmazeutischen Gedanken sowieso eine Verschlimmbesserung. Der Patient hat kaum wiedererkennungswert bei seinem Medikamenten. Er/Sie weiß nicht mehr was eingenommen wird,werden sollte, wann oder wann man aufhören sollte. Dies kann deutliche Konzequenzen auf die Therapie haben.
Die ABDA kann sowieso nichts mehr retten. Erst wenn 50% der Apotheken platt sind wird es vielleicht eine Nachfrage geben. So will es die Politik und der Industrie ist es sowieso egal. Die Bevölkerung bleibt konstant krank.
Erst angelockt - dann abgezockt ..............................
Die Situation der heimversorgenden Apotheken ist symptomatisch für den gesamten Berufsstand:
Es wird immer MEHR verlangt und immer WENIGER dafür entlohnt.
AUCH dieser Aspekt pharmazeutischen Tätigwerdens verlangt - wie man unschwer sieht - nach einer vernünftigen UND EINHEITLICHEN Regelung im Sinne einer einheitlich hohen und gesicherten Qualität vor Ort.
Wo uns der "Wettbewerb" auf dem Arzneimittel (- NICHT- ) Markt hinführt, sehen wir ja bei pick-up, CoBol-Automaten, Versand-"Apotheken", Versand aus dem EU-Ausland, Hilfsmittel- (Knebel-) Lieferverträge etc.etc.
Was hat eigentlich die ABDA zu diesem Apotheken-Leitbild-Thema zu sagen ?
Und: Warum läßt sie es nicht (fachlich) öffentlich diskutieren ??
Wenn das Thema "ApothekenBetrO" schon zur Chefsache (Angie) erklärt wird, dann will auch ICH mitreden können.
Denn auch ich bin "Chef" und es geht um MEINE Zukunft (und die meiner Angestellten) ................. !