Sprechstundenbedarf

Arzt versteckt sich hinter Apotheker Julia Pradel, 29.01.2016 14:10 Uhr

Berlin - Die AOK Hessen und eine Arztpraxis haben über die Erstattungsfähigkeit des Vereisungsmittels Histofreezer gestritten. Die Kasse wollte das Präparat nicht zahlen, weil es in der Sprechstundenbedarfsvereinbarung nicht explizit aufgeführt war. Die Mediziner argumentierten, dass die Aufzählung nur beispielhaft gewesen sei. Und, wenn überhaupt, hätte die Apotheke in Regress genommen werden müssen, die die Arzneimittel abgegeben hat.

Im konkreten Fall ging es um drei Verordnungen aus dem Jahr 2011. Die Ärzte hatten insgesamt sieben Histofreezer als Sprechstundenbedarf zu Lasten der AOK Hessen verordnet. Insgesamt ging es um 1500 Euro. Die Kasse argumentierte, der Histofreezer sei nicht als verordnungsfähig aufgeführt und ein Bezug zu Lasten der Krankenkassen damit grundsätzlich ausgeschlossen. Beim Inhalt der Sprechstundenbedarfsvereinigung handele es sich um eine Positivliste und der Histofreezer sei nicht enthalten.

Die Mediziner sahen das anders. Tatsächlich hieß es in der Sprechstundenbedarfsvereinigung damals noch wörtlich: „Mittel zur Kryotherapie der Haut (Kohlensäureschnee, flüssiger Stickstoff o.ä.)“. Die beiden genannten Präparate seien ausdrücklich als mögliche Beispiele genannt. Es handele sich damit keinesfalls um eine abschließende Aufzählung.

Darüber hinaus habe die ausliefernde Apotheke die Rechtmäßigkeit des Kostenträgers zu prüfen und trage die Verantwortung für die Umsetzung des Sprechstundenbedarfsrezeptes. Außerdem habe die Krankenkasse der Apotheke die Kosten erstattet. Allenfalls hätte aber die Apotheke in Regress genommen werden sollen.

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