Nullretaxation

Vertrag kostet Apotheker 200.000 Euro Alexander Müller, 21.04.2017 10:31 Uhr

Berlin - Die Apothekerverbände vertreten laut Satzung die wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder. Doch ein Zyto-Apotheker aus Neuruppin fühlt sich schlecht vertreten, er schreibt diesem indirekt sechsstellige Nullretaxationen der AOK Nordost zu. Laut dem Landessozialgericht Brandenburg (LSG) war die Retax berechtigt, weil der Verband den Vertrag geschlossen hatte. Eine zentrale inhaltliche Frage wurde daher gar nicht erst geklärt, nämlich ob Verband und Kasse den Apothekern vorgeben dürfen, Rezepturen als Fertigarzneimittel abzurechnen.

Der Landesapothekerverband Brandenburg (LAV) hatte im Jahr 2007 – also in der Zeit vor exklusiven Zyto-Verträgen – eine „ergänzende Vereinbarung“ mit der AOK geschlossen. Diese beinhaltete die Vorgabe, dass Rezepturen monoklonaler Antikörper nur als Fertigarzneimittel abgerechnet werden können, sowie einen Rabatt von 1,75 Prozent pro Rezeptzeile.

Hintergrund war, dass die Kasse seinerzeit den Herstellerabschlag kassieren wollte. Sie kannte aber die verwendeten Fertigarzneimittel nicht, weil jeweils eine patientenindividuelle Rezeptur verordnet war. Mehrere Zyto-Apotheker erkannten die Vereinbarung nicht an und rechneten weiter nach Hilfstaxe ab. Die Kasse ließ sich das nicht gefallen.

Der Apotheker aus Neuruppin klagte gegen die AOK, die auf Grundlage der Vereinbarung zwischenzeitlich rund 200.000 Euro retaxiert hatte. Ihm geht es nicht nur ums Geld. Aus seiner Sicht ist die Umwidmung einer verordneten Rezeptur in ein Fertigarzneimittel ein Eingriff in die ärztliche Therapiehoheit. Die ergänzende Vereinbarung zwischen AOK und LAV sei daher unwirksam. Der Verband habe kein Mandat für einen solchen Vertrag gehabt, zudem seien die vereinbarten Preise nicht auskömmlich.

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