Rezeptdatum

DAK-Retax: Eine Woche hat sieben Tage Alexander Müller, 25.02.2016 13:24 Uhr

Berlin - Der Wirkstoff Isotretinoin ist hoch teratogen und entsprechend in Schwangerschaft und Stillzeit absolut kontraindiziert. Um das Risiko zu minimieren, müssen Rezepte innerhalb von sieben Tagen nach Ausstellung eingelöst werden. Die DAK legt diese Frist so aus, dass der Tag der Verordnung mit zählt, und hat eine Apotheke retaxiert.

Orales Isotretinoin wird bei Patienten mit schweren Formen von Akne eingesetzt, die gegen eine Standardbehandlung mit systemischen Antibiotika in Kombination mit Topika therapieresistent sind. Der Einsatz ist in Schwangerschaft und Stillzeit absolut kontraindiziert, da Isotretinoin bei ungeborenen Kindern sehr häufig zu Missbildungen führt. Frauen im gebärfähigen Alter dürfen den Wirkstoff nur einnehmen, wenn alle Bedingungen eines Schwangerschaftsverhütungsprogramm erfüllt werden.

Für Verordnung und Abgabe sind verschiedene Sicherheitsmaßnahmen vorgesehen, die das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in einer Leitlinie zusammengefasst hat. Das Rezept darf demnach nur für einen 30-tägigen Bedarf ausgestellt werden. Die Abgabe durch den Apotheker muss „innerhalb von sieben Tagen nach Ausstellung erfolgen“.

In der Bären-Apotheke von Dr. Stefan Noé reichte eine Patientin am 12. März 2015 ein Rezept ein, das am 5. März ausgestellt worden war. Aus Sicht der DAK wurde die Frist damit überschritten. Im Dezember retaxierte die Kasse den vollen Betrag von 27,21 Euro. 

Der Apotheker hat über seinen Verband Einspruch eingelegt. Aus Sicht des LAV Baden-Württemberg ist eine fristgerechte Belieferung erfolgt. Denn laut BfArM dürften Rezepte über Isotretinoin-haltige Arzneimittel sieben Tage „nach Ausstellungsdatum“ beliefert werden. Insofern handele es sich hier nicht um eine Fristüberschreitung. Der LAV bittet die DAK, von der Retaxation Abstand zu nehmen. Eine Antwort der Kasse steht noch aus.

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