Apothekenrecht

„Apotheker sollten Prokuristen haben“ Alexander Müller, 15.03.2016 15:00 Uhr

Berlin - Ein Apotheker aus Süddeutschland war sehr überrascht, als er von dem Prozess eines Kollegen erfuhr. Der kämpft vor Gericht um und für seinen Prokuristen. Der Bundesgerichtshof (BGH) muss in letzter Instanz klären, ob Apothekeninhaber grundsätzlich Prokura erteilen dürfen. „Ich habe seit Jahren eine Prokuristin und fühle mich dazu quasi auch verpflichtet“, so der Apotheker, der wegen des anderen Verfahrens derzeit lieber nicht namentlich genannt werden möchte.

Vier Filialen mit mehr als 50 Mitarbeitern betreibt der Apotheker. Die Filialleiter dürfen weitgehend selbstständig entscheiden, etwa was Dienstpläne oder das Direktgeschäft betrifft. „Sie sollen den gesamten operativen Bereich so führen, als ob es ihre eigene Apotheke wäre“, so der Inhaber. Die Filialleiter hätten auch Einblick in alle betriebswirtschaftlichen Kennzahlen.

Selbst die Hauptapotheke hat intern einen Filialstatus mit einem zuständigen Apotheker, damit die Filialleiter auf Augenhöhe untereinander sind. „Ansonsten entsteht schnell der Eindruck, die Hauptapotheke sei etwas Besonderes und die anderen nachgeordnet. Das ist aus meiner Sicht kontraproduktiv“, so der Inhaber. Er selbst kümmert sich vor allem um die Gesamtorganisation der Betriebe, die Personalführung und den gesamten Finanzbereich.

Dennoch hat eine Filialleiterin formal einen Sonderstatus, da sie mit einer Prokura ausgestattet ist. Sie kann damit nach außen wirksam Verträge im Namen des Inhabers schließen oder kündigen. Die Prokura ist im Handelsregister offiziell eingetragen, anders als beim Kollegen aus Baden-Württemberg gab es damit in diesem Fall aber noch nie Probleme.

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