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Medikationsplan: Das Phantom der Oper Silvia Meixner, 22.06.2017 14:13 Uhr

Berlin - Stichtag 1. Oktober. Ab diesem Tag müssen Krankenhäuser Patienten im Rahmen des Entlassungsmanagements einen Medikationsplan aushändigen. Das Chaos scheint vorprogrammiert, denn niemand weiß genau, wie der Dreiklang Patient-Arzt-Apotheker künftig reibungslos funktionieren soll. Beim Apothekerforum im Rahmen des Hauptstadtkongresses sondierten Gesundheitsexperten die aktuelle Lage.

Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, brachte mit den Tatsachen die Kongressteilnehmer zum Lachen: „Der Medikationsplan ist ein Phantom der Oper. Apotheker und Ärzte kommunizieren zu 80 Prozent per Fax. Online-Übertragung interessiert Datenschützer, Faxübertragung nicht. Ich glaube nicht, dass sich moderne Hacker mit Faxgeräten beschäftigen. Das Problem ist nicht der Medikationsplan, das Problem sind die Defizite in der Kommunikation.“

Er wünscht sich die elektronische Patientenakte, „aber nicht in Form einer komischen Karte“. Außerdem müsste das E-Health-Gesetz in P-Health-Gesetz umbenannt werden: „Weil wir nur mit Papier arbeiten.“ Weigeldt sagt: „Nach meiner Erfahrung können auch 70-Jährige mit dem Computer umgehen.“

Die Wahrscheinlichkeit, dass auch ab 1. Oktober in Deutschlands Apotheken die Kommunikation bezüglich der Medikationsplan per Fax abgewickelt wird, ist jedoch hoch: „Beim Faxen geht der Code kaputt, mir ist kein Faxgerät bekannt, das den Code unbeschädigt überträgt“, sagt Hanna Seidling, Ärztin am Universitätsklinikum Heidelberg, die die Ergebnisse einer Studie zum Medikationsplan präsentierte.

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