Lieferengpass-Retax

DAK-Kulanz überrascht Apotheker Alexander Müller, 24.03.2016 10:10 Uhr

Berlin - Die DAK Gesundheit gilt unter Apothekern als besonders streng und kompromisslos bei Retaxationen. Umso erstaunlicher war die Ankündigung der Kasse, bei Lieferengpässen künftig auch Großhandelsbelege zu akzeptieren. Beim Deutschen Apothekerverband (DAV) freut man sich über die neue Kulanz der DAK – ganz zufrieden ist man im Apothekerhaus aber nicht.

Bislang steckten die Apotheker vielfach in einem Dilemma, wenn ein Rabattpartner der DAK nicht lieferfähig war. Denn die Kasse akzeptierte als Beleg nur die Aussage, dass der Hersteller nicht lieferfähig war. Die Großhändler können aber nur für ihr eigenes Lager sprechen und die Industrie gibt Ausfälle auch nur ungern zu – wegen drohender Vertragsstrafen seitens der Kasse. Die DAK ließ bislang nicht mit sich reden und retaxierte Apotheken trotz gesetzter Sonder-PZN.

Ein Apotheker hatte daraufhin DAK-Verwaltungsratchef Hans Bender angeschrieben und in der Fachabteilung nachgefragt, wie er sich verhalten soll. „Sollen wir warten bis der Artikel lieferbar ist?“ Dann überraschte ihn die Kasse mit einem unerwarteten Einlenken: „Für alle Rezeptabrechnungen mit einem Abgabedatum ab 1. Juli 2015 akzeptieren wir die Lieferunfähigkeitsbescheinigung des Großhändlers unabhängig davon, ob die darin enthaltene Formulierung die Lieferunfähigkeit des Pharmazeutischen Unternehmens bestätigt oder nicht.“

Die DAK bestätigte auf Nachfrage: „Wir werden unser Verfahren bei der Einspruchsbearbeitung von Retaxfällen im Zusammenhang mit der Vorlage einer Lieferunfähigkeitsbescheinigung des Großhändlers oder des Pharmazeutischen Unternehmers gemäß § 4 Abs. 2 Satz 3 des Rahmenvertrages nach § 129 Abs. 2 SGB V verändern.“

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