Retaxationen

Defektbelege: Apotheker gehen Phagro an Alexander Müller, 26.01.2016 09:04 Uhr

Berlin - Fällt ein Rabattpartner aus, ist das für Apotheken doppelt ärgerlich: Dem Patienten muss ein erneuter Wechsel des Präparats erklärt werden, außerdem drohen Retaxationen. Denn nicht immer akzeptieren die Kassen den Beleg über die Nichtverfügbarkeit des Großhändlers. Jetzt hat sich der Deutsche Apothekerverband (DAV) in der Sache an den Großhandelsverband Phagro gewandt. Doch die Großhändler sitzen selbst in der Zwickmühle.

Zuletzt hatten Apotheker wegen Lieferdefekten Ärger mit der DAK. Die Kasse retaxiert wegen Nichtbeachtung der Rabattverträge und akzeptiert die Bestätigung in Form von Defektlisten des Großhändlers nicht immer. Die Nichtverfügbarkeit beim Großhandel sei nicht mit der Nichtlieferfähigkeit des Herstellers gleichzusetzen, so die DAK.

Die Argumentation legt den Kern des Problems frei: Es ist eine Frage der Definition, wann ein Arzneimittel nicht lieferfähig ist. So kann es beim Großhandel auch zu Engpässen kommen, weil der Hersteller seine Ware kontingentiert. Ein solcher Lieferabriss im Einzelnen ist aus Sicht der Hersteller aber keine Lieferunfähigkeit.

Für die Hersteller sind diese semantischen Feinheiten entscheidend: Sie haben sich mit den Rabattverträgen verpflichtet, die Wirkstoffe ihrer gewonnenen Lose im ausgeschriebenen Umfang bereitzustellen. Ansonsten drohen ihnen Vertragsstrafen seitens der Kassen. Defekte werden von der Industrie regelmäßig erst dann eingestanden, wenn schon lange keine Ware mehr in den Apotheken liegt.

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