Datenschutz

Rezeptfälscher: Schweigepflicht für Apothekenmitarbeiter APOTHEKE ADHOC, 27.01.2016 09:11 Uhr

Berlin - Der Schutz von Patientendaten ist ein hohes Gut – so hoch, dass Apotheker einen mutmaßlichen Rezeptfälscher nicht melden dürfen. Die im Strafgesetzbuch verankerte Schweigepflicht verbiete dem Apotheker, Geheimnisse zu offenbaren, die ihm anvertraut worden oder bekannt geworden seien, erklärt eine ABDA-Sprecherin. Andernfalls drohen ihm eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr.

Das bringt Apotheker mitunter in die Bredouille: Derzeit beispielsweise sucht das Polizeipräsidium Offenburg eine Frau, die sich als Ärztin ausgibt, Rezepte fälscht und sich auf diese Weise Arzneimittel erschleicht. Die Staatsanwaltschaft Baden-Baden hat ein Ermittlungsverfahren gegen die Frau eingeleitet. Apotheken sollen sofort die Polizei informieren, wenn die 22-Jährige bei ihnen auftaucht.

Allerdings verwies der Sächsische Apothekerverband (SAV) auf eine Information der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK): Danach dürfen Apotheken nicht in jedem Fall Alarm schlagen, da „eine Mitteilung an die Polizei Aspekte der Schweigepflicht“ berühre.

Die ABDA-Sprecherin erklärt, dass Apotheker ein Geheimnis nur dann offenbaren dürfen, „wenn ein sogenannter rechtfertigender Notstand vorliegt und damit eine gegenwärtige Gefahr“. Das ist beispielsweise der Fall, wenn ein Apotheker bereits Arzneimittel abgegeben hat und ihm dann Zweifel kommen. Dann ist laut AMK eine Meldung an die Polizei gerechtfertigt, weil eine erhebliche Gefahr besteht – falls die Arzneimittel angewendet werden.

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