Berliner Zeitung

Apotheker, schmeißt den Diätkram raus! APOTHEKE ADHOC, 24.03.2016 17:12 Uhr

Berlin - Wann hat das nur angefangen, dass aus Apotheken Süßwarenläden und Kosmetikshops wurden? Diese Frage stellt sich die Berliner Zeitung unter der Überschrift „Liebe Apotheker, bitte mehr Mut zum Medikament!“ In ihrem Beitrag schildert Karin Stemmler, Ombudsfrau für Leserfragen, ihre persönlichen Apotheken-Erlebnisse als Geduldsprobe.

Nach einem Arztbesuch steht Stemmler nun in einer mehr als 100 Jahre alten Offizin und wundert sich: Die sei zwar hübsch anzusehen „mit dem damals üblichen dunklen Interieur“. Doch das Sortiment sehe genauso aus wie in den drei modernen Apotheken, die sie zuvor schon aufgesucht hatte: „Außer einem kleinen Posten Pflaster gibt es nichts, was an Versehrte oder Kranke erinnern würde“, so Stemmler.

Bonbons, Bitterschokolade, Babycreme, Pflege für die reifere Haut und „1000 Sorten Diätpülverchen“ sind nicht das, was die Ombudsfrau in der Apotheke erwartet. Am schlimmsten findet sie die Auslage an der Kasse: Veganes Badesalz, seit 123 Jahren am Markt. „Ich ringe um Fassung. Veganes Badesalz. Gab es das Wort vegan damals überhaupt schon?“

Mehr noch: Offenbar konnten schon die drei zuvor besuchten Apotheken Stemmler bei ihrem eigentlichen Anliefen nicht sofort weiterhelfen: „Mein Rezept ruht immer noch auf dem Tresen, während ich die gesamte Auslage gescannt habe und innerlich koche, weil ich weiß, was kommt. Die Apothekerin tippt schweigend auf ihrer Computer-Tastatur herum.“

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